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Krimiautor Jürgen Ehlers

Lieb, nett und harmlos? Von wegen!

29. November 2012 | Von | Kategorie: 2012: Hinz&Kunzt 227-238, Archiv, Hinz&Kunzt 238/Dezember 2012

Viele Menschen träumen davon, mal einen Krimi zu schreiben, auch Jürgen Ehlers. Doch kein Verlag wollte sein Buch annehmen. Andere hätten frustriert aufgegeben. Ehlers aber bleibt dran und etabliert sich als Autor. Am „Krimitag“ liest er mit Hamburger Kollegen zugunsten von Hinz&Kunzt.

(aus Hinz&Kunzt 238/Dezember 2012)

Der Krimiautor Jürgen Ehlers liest am 8. Dezember in Altona zugunsten von Hinz&Kunzt.

Er wirkt auf den ersten Blick nicht wie einer, der sich mit den Abgründen unseres Daseins beschäftigt: Jürgen Ehlers sitzt gut gelaunt in seinem geringelten Pulli hinter seinem sehr auf- geräumten Schreibtisch in seinem Büro in der Umweltbehör- de. Ihn ruft man an, wenn man zum Beispiel wissen will, wie der Boden beschaffen ist, auf dem man sein Haus bauen will: Jürgen Ehlers ist Geologe. Und er ist zugleich Krimischriftsteller. Das passt zusammen?

„Das Krimischreiben und die Geologiesind nicht so getrennt, wie man das zunächst denkt“, fängt er an zu erzählen. „Zu ergründen, was in der letzten Eiszeit passiert ist, verlangt durchaus Detektivarbeit: Es gibt nur Indizien, denn das Eis ist ja weg. Man kann also nur aus den Spuren etwas rekonstruieren.“ Und es gäbe Zeugenaussagen, Kollegen, die zu falschen Schlüssen. „Aber“, schränkt er ein, „wir Eiszeitforscher sind ein ganz netter Haufen und hauen uns nicht über den Schädel.“

Vor dem Interesse für die Eiszeit kam die Lust am Schreiben: „Ich habe als Kind sehr gerne Geschichten geschrieben. Mein erstes Opfer war mein Bruder, der war wesentlich älter und musste den ganzen Kram lesen.“ Doch das Schreiben versiegt während des Studiums, während der ersten Berufsjahre. Und taucht dann langsam wieder auf, Anfang der 90er. Jürgen Ehlers hat die Idee, einen Krimi zu schreiben – und schreibt einen über einen Umweltskandal: „Wie man das so macht.“ Der Text soll natürlich auch gedruckt werden: „Ich habe dann das Manuskript an verschiedene Verlage geschickt, aber das hat überhaupt nicht funktioniert. Es gab nur höfliche, aber durch die Bank nichtssagende Standardabsagen, wenn überhaupt.“

Zum Glück gründet sich damals „Das Syndikat“, der Verband deutschsprachiger Krimischriftsteller. Ehlers schreibt dessen damaligen Vorsitzenden Horst Bieber einen Brief, fragt vorsichtig nach, ob er ihm mal sein Manuskript schicken könne. Ja, solle er gern machen. „Nach einer Woche bin ich zu dem hin und der sagte: ‚Also so geht das gar nicht!‘ Alles sei falsch. Die Personen seien falsch, die Handlung sei falsch. Er hatte sich die ersten zehn Seiten vorgenommen und alles angestrichen, was nicht stimmte.“ Doch Ehlers ist keineswegs entmutigt angesichts der vollgeschriebenen Seiten. „Entmutigend sind die Nichtreaktionen der Verlage: Da weiß man ja nicht, was los ist.“ So aber hat er eine Idee: Wenn es mit einem richtigen Krimi nicht so einfach zu sein scheint, sollte er sich vielleicht erst einmal an einem Kurzkrimi versuchen. Ehlers schreibt einen, legt ihn wieder vor: „Und Bieber hat gesagt: ‚Ja, das ist es.‘ Er hatte auch gleich einen Verlag an der Hand, der für eine Anthologie eben Kurzkrimis suchte. So ging es los.“

Seitdem hat Ehlers einen Schwung Krimis vorgelegt, mit Schwerpunkt auf historischen Stoffen: Sie führen seinen Kommissar Berger zurück in die 20er-, in die 30er- und 40er-Jahre. Dabei erlebt der Leser die Suche nach dem Lord von Barmbek, nach dem Serienmörder Peter Kürten, der neun Menschen und einen Schwan ermordet hat. Folgt – gewiss sein heftigster Stoff – in seinem Krimi „In deinem schönen Leibe“ den Taten eines sadistischen Kindermörders.

Das kann er? „Es gibt Quellen, es gibt Unterlagen in Archiven“, sagt er nüchtern. „Und ich schreibe ja nicht direkt über den Täter, sondern über die Jagd auf ihn.“ Trotzdem müsse man bestimmte Dinge zitieren: „Das sind Stellen, die sind zumindest unbehaglich. Und dass in unseren Büchern jemand ums Leben kommt, ist beim Krimi irgendwann irgendwie erforderlich.“ Aber grundsätzlich gelte: „Die meisten von uns Krimischreibern sind liebe, harmlose, nette Menschen.“ Sein größter Bucherfolg übrigens war bisher ein Sachbuch über die Eiszeit: Er hat es öfter verkaufen können als alle seine Krimis zusammen. Aber das kann sich ja noch ändern.

Text: Frank Keil
Foto: Dmitrij Leltschuk 

Jürgen Ehlers liest mit Gunter Gerlach, Doris Gercke und anderen, Sa, 8. 12., 15 Uhr, Altonaer Museum. Museumseintritt 3 Euro. Es wird für Hinz&Kunzt gesammelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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