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Kunzt&Kult

Ikonen ohne Heiligenschein

22. September 2011 | Von | Kategorie: 2011: Hinz&Kunzt-Ausgaben 215–226, Archiv, Hinz&Kunzt 223/September 2011, Nachrichten

Kinderzauberer, Brunnenbauer, Tresenfee: Der Maler Jan Helbig porträtiert Menschen, deren Engagement und Lebensweg ihn beeindrucken. Am kommenden Donnerstag zeigt er erste Bilder an einem Ausstellungsabend öffentlich – auch um neue Vorbilder zu finden.

(aus Hinz&Kunzt 223/September 2011)

Hoffentlich kommt Evi. Und hat nicht Tresendienst oder ist gar im Urlaub. Evi vom „Seeteufel“, der kleinen, schlauchförmigen Kneipe am Anfang der Elbchaussee, wo noch echte Kapitäne in aller Ruhe ihre Biere trinken und ihre Geschichten loswerden. Und wo Evi manchmal auf den Tresen steigt und Lieder von Hans Albers singt. Damit sich ihre Gäste wohlfühlen und für einen Abend eine Heimat haben.

Die Porträts von Jan Helbig wollen dann und wann mal an die frische Luft. Dort schauen sie sich um und geben ihrem Erschaffer manchen Tipp, was er demnächst malen könnte.

Die Porträts von Jan Helbig wollen dann und wann mal an die frische Luft. Dort schauen sie sich um und geben ihrem Erschaffer manchen Tipp, was er demnächst malen könnte.

Der junge Maler Jan Helbig hat Evi porträtiert. So wie auch Albert Just aus St. Georg, ehemals Bauingenieur, nach einer schweren gesundheitlichen Krise heute Zauberer für Kinder. Oder Tobias Rau, der mit anderen die Organisation „Viva con Agua“ gründete, die in der Dritten Welt Brunnen bohren lässt. Oder Professor Hussada aus dem Univiertel – von dem niemand so recht weiß, ob er vielleicht wirklich mal ein Professor war. Was sie alle vereint: Sie gehen ihren ganz eigenen Lebensweg und sie schauen dabei nach links und rechts. Helbig hat sie getroffen, hat lange mit ihnen geredet, hat erste Skizzen gefertigt – und hat sie schließlich in seine Reihe „Lokal-Ikonen“ aufgenommen. „Sie sind für mich Ikonen, aber nicht wie im Mittelalter mit Goldrand und Heiligenschein“, sagt er. „Ich will zeigen, dass jeder von uns das Potenzial hat, etwas Einzigartiges zu machen und so zur Ikone seines eigenen Lebens zu werden – in seinem ganz eigenen Umfeld.“ Nun will er erste Bilder zeigen.


Die sollen aber nicht
in einer schnieken Galerie hängen, mit strahlend weißen Wänden und Besuchern, die beim Betrachten der Bilder die Hände auf dem Rücken verschränken. Schließlich fand er das „Lokal“, ein altes Stadthaus nahe der Sternbrücke, leicht heruntergekommen, die Farbe blättert von den Wänden. Er hat seine Bilder unter den Arm geklemmt und sie dort kurz hingestellt. „Ja“, hätten die Bilder ihm gesagt: „Hier sind wir richtig.“
Zugleich sollen die Bilder bewirken, dass sich seine Ikonen untereinander kennenlernen und dass Helbig von weiteren Menschen erfährt, die in seine Reihe passen: für die nächsten Begegnungen, für die nächsten Bilder.

Text: Frank Keil
Foto: Maurice Kohl


Ausstellungsabend:
„Lokal“, Max-Brauer-Allee 207, 29. September, ab 20 Uhr. Es spielt die Hamburger Band „Gut“. Weitere Infos unter: www.janhelbig.de

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