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Hilfe für Wohnungslose und Wohnende

9. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Obdachlosigkeit

stephankopfSozialarbeiter Stephan Karrenbauer zu den Ergebnissen unserer Verkäuferbefragung

Für mich das wichtigste Ergebnis: Je länger jemand bei Hinz&Kunzt ist, desto häufiger lebt er auch in einer Wohnung.

Von denen, die mindestens zehn Jahre verkaufen, haben 64 Prozent eine Wohnung. Von den Verkäufern, die zwei Jahre oder kürzer bei Hinz&Kunzt sind, nur zwölf Prozent!

Hinz&Kunzt ist ein Projekt für Wohnungs- und Obdachlose. Aber: Hinz&Kunzt verkaufen und eine Wohnung haben – das schließt sich ganz und gar nicht aus.

Wer eine Wohnung hat, ist ein verlässlicher Verkäufer. Er kann sich nach getaner Arbeit in seine vier Wände zurückziehen – und dass der Verkauf harte Arbeit ist, weiß jeder, der mal ein paar Stunden mit einem Stapel Zeitungen an der Straße stand.

Hinz&Künztler, die in einer Wohnung leben, können sie sich dort auskurieren, wenn sie krank werden. Und sie können ganz anders planen als ihre wohnungslosen Kollegen, denn sie müssen die Zeitungen – ihr Kapital – nicht Wind und Wetter aussetzen, falls sie sie nicht alle an einem Tag verkaufen.

Unsere Verkäufer sind stolz auf ihre Tätigkeit, besonders wenn sie schon viele Jahre dabei sind. Ihre Aufgabe gibt ihnen Stabilität und motiviert sie, eine Wohnung zu finden und sie auch zu behalten. Das bestätigt uns in unserer Praxis, dass weiter Hinz&Kunzt verkaufen darf, der eine Wohnung gefunden hat – solange bis es auch mit einer festen Arbeit klappt.

Oft entwickeln sich richtige Freundschaften zwischen Hinz&Künztlern und ihren Kunden, den Käufern des Straßenmagazins. Und hin und wieder vermitteln die Kunden „ihrem“ Verkäufer sogar eine Wohnung.

Ich bin nicht überrascht, dass unsere Verkäufer im Durchschnitt schon länger als sechs Jahre bei uns sind. Für viele ist es die einzige berufliche Perspektive. Manche haben schon zwei oder drei Ein-Euro-Jobs hinter sich – und kommen dann wieder zu uns.

Vieles ist schwieriger geworden, seit ich bei Hinz&Kunzt als Sozialarbeiter angefangen habe. In der Euphorie um das neu gegründete Projekt Hinz&Kunzt wollten und konnten viele helfen. Damals haben wir einen eigenen Wohnungspool gehabt und Wohnungen vermittelt. Heute helfen wir vor allem bei der Bewältigung von Schreibarbeiten, dem Ausfüllen von Formularen, dem Beschaffen von Unterlagen. Eine Wohnung zu bekommen ist viel komplizierter geworden, abgesehen davon, dass es immer weniger bezahlbare Wohnungen in Hamburg gibt.

Mehr als 43 Prozent unserer Verkäufer schlafen draußen oder sind öffentlich untergebracht. Viel zu viele! Da haben wir noch eine Menge Arbeit. Unser Ziel: 99 Prozent der Hinz&Künztler leben in einer Wohnung. Und das übrige Prozent? Das sind die, die neu zu uns kommen – und denen wir bald darauf eine Wohnung anbieten können.

Die Ergebnisse unserer Verkäuferbefragung finden Sie hier.

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