Gewerkschaften unerwünscht

Der Dessous-Hersteller Triumph International hat in Thailand und auf den Philippinen Tausende Näherinnen entlassen. Betroffene Gewerkschafterinnen meinen, sie seien wohl zu unbequem gewesen. Aus Protest reisten sie im Dezember durch Europa – und reichten in der Schweiz Beschwerde gegen das dort ansässige Unternehmen ein.

(aus Hinz&Kunzt 203/Januar 2010)

„Es ist nichts Besonderes, dass sie versuchen, die Gewerkschaften zu zerstören – das tun sie überall in Thailand. Besonders ist, dass wir uns wehren“, sagt Jittra Cotshadet. Die 37-Jährige hat 15 Jahre lang Badeanzüge für die Triumph-Tochter Body Fashion Thailand (BFT) genäht. Nachdem sie 2008 in einer Fernsehshow ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Anders denken ist nicht kriminell“ trug, wurde sie entlassen, berichtet die Gewerkschafterin. Der Grund: Sie habe dem Ansehen ihres Arbeitgebers geschadet. Daraufhin solidarisierten sich 3000 Arbeiterinnen mit ihr und streikten aus Protest 46 Tage lang. Ein Jahr später, im Sommer 2009, entließ BFT fast 2000 Frauen. Ein Zufall?
Auf den Philippinen schloss Triumph zur gleichen Zeit zwei Werke, 1660 Arbeiterinnen verloren ihren Job. Auch in diesen Fabriken waren die Frauen gut organisiert, weshalb nun angeblich andere ihre Arbeit erledigen: „Wir glauben, sie wollen unsere Gewerkschaft sprengen und unseren hart
erkämpften Tarifvertrag, der uns unter anderem faire Löhne garantiert, wieder abschaffen“, sagt die Gewerkschaftsvorsitzende Isabelita de la Cruz.
Gemeinsam mit Mitstreiterinnen von den Philippinen und aus Thailand hat sie im Dezember eine Beschwerde bei der Schweizer Regierung eingereicht, im Namen aller betroffenen Frauen. Triumph, so der Vorwurf, habe internationale
Arbeitsstandards nicht eingehalten. Diese sehen vor, dass die Geschäftsführung vor Massenentlassungen die Gewerkschaften informiert und mit ihnen einen Sozialplan aushandelt. Gemäß der OECD-Regeln startet das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) nun einen Vermittlungsversuch und veröffentlicht innerhalb der kommenden Monate das Ergebnis der Bemühungen.
Seit Monaten demonstrieren die geschassten Arbeiterinnen gegen ihren Ex-Arbeitgeber, schreiben Petitionen und halten Mahnwachen. In Thailand haben sie auch „Protest-Unterwäsche“ genäht. „Wir wollen zeigen, dass die Produk-
tion nur einen bis zwei Euro pro Stück kostet, Triumph aber sehr teuer verkauft. Und wir wollen zeigen, dass wir gute Qualität produzieren“, so Gewerkschafterin Jittra Cotshadet.
Triumph bestreitet die Vorwürfe: Das Unternehmen habe „keinen Einfluss auf existierende – oder fehlende – Bemühungen zur Gewerkschaftsgründung“. Triumph respektiere „das Recht seiner MitarbeiterInnen auf die Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften“. Die betroffenen Niederlassungen  seien „nach Gesichtspunkten der Kostenstruktur und der Unternehmensleistungen ausgewählt“ worden.

Text: Ulrich Jonas
Die Betroffenen werden vom Verein INKOTA unterstützt. Mehr Infos zur Kampagne im Internet unter www.inkota.de/triumph

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