Festessen mit Onkel Scrooge

Augen auf – Mund auch: Bei einer Aufführung von Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte in der Fassung vom Theater Mignon bekommen die Gäste nicht nur den Klassiker, sondern auch ein Vier-Gänge-Menü serviert.

(aus Hinz&Kunzt 226/Dezember 2011)

Onkel Scrooge ist ein hartherziger Widerling, geldgieriger Geschäftsmann und garstiger Stinkstiefel, der seine Mitmenschen und jegliche Gefühlsduselei verachtet. Es ist wirklich nicht leicht, diesen Griesgram liebzugewinnen. Trotzdem hat die Familie ihn an diesem Weihnachtsabend im Jahre 1843 in ihr bescheidenes Haus in London eingeladen. Sie wollen das Fest gemeinsam mit ihm feiern – und dem Onkel dabei eine saftige Lektion verpassen.

Noch keift der olle Onkel. Am Ende des Stücks wird er sich gründlich wandeln.

Rund drei Stunden dauert es in Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte in der Fassung vom Theater Mignon, bis sich der Fiesling Scrooge in einen mitfühlenden, geselligen Onkel verwandelt. Das Besondere an dieser Bühnenversion: Zwischen den Szenen bekommen die Gäste ein Vier-Gänge-Menü mit englischen Weihnachtsspezialitäten serviert.

Ein unterhaltsamer Theater- und Dinnerabend in einem. Auf die Idee kamen Regisseurin Melanie Thiesbrummel und Schauspielerin Luisa Wolke während ihrer gemeinsamen Arbeit am Dickens-Text. „Das gemeinsame Festessen spielt ja eine zentrale Rolle im Text“, sagt Melanie Thiesbrummel, „das können die Gäste bei uns nun nicht nur sehen, sondern gleichzeitig schmecken.“ Dazu Pulverschnee auf den Kostümen, leise Kirchenmusik im Hintergrund und Kerzen auf den Tischen in der gemütlichen ZINOs Lounge in Altona – da kommt Winterstimmung auf.

„Bei den ersten Proben im September ‚Fröhliche Weihnachten‘ zu wünschen, war doch ein bisschen komisch“, findet Jan Käpernick, der in der Dickens-Adaption den Autor spielt. „Obwohl“, zupft er an seinem Hosenbund: „Lebkuchen habe ich mir da ja auch schon kiloweise reingepfiffen.“

Steilvorlage für seinen Kollegen Peter Markhoff alias Onkel Scrooge: „Pass bloß auf“, feixt er, „das Kostüm muss schließlich noch bis Ende Januar passen!“ – so lange laufen die Vorstellungen nämlich noch. Er selbst genießt die Festzeit, findet es wichtig, gerade zu Weihnachten an die Armen und Bedürftigen zu denken. „Deshalb ist Dickens’ Stück für mich auch immer noch aktuell“, sagt er. Und fünf Hinz&Künztler sind eingeladen, an einem Abend dabei zu sein

Text: Maren Albertsen
Foto: Hannah Schuh

Die Vorstellungen der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens laufen noch bis zum 28. Januar in der ZINOs Lounge, Friesenweg 5, Tickets 84 Euro, inklusive Punschempfang und 4-Gänge-Menü. www.theater-mignon.de, Ticket-Hotline 01805-040 300.

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