Stadtplanung

Die 100.000-Euro Platte

Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) ließ unter der Kersten-Miles-Brücke Steine aufstellen, weil ihm die Obdachlosen dort lästig sind. Kosten: rund 100.000 Euro. Doch die Investition erfüllt ihren fragwürdigen Zweck nicht. Ein Kommentar von Hanning Voigts.

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Stein des Anstoßes: Die Kersten-Miles-Brücke in der Neustadt

Satte 100.000 Euro hat sich der Bezirk Mitte den Umbau der Kersten-Miles-Brücke an der Helgoländer Allee kosten lassen. Die Fläche unter der Brücke ziert jetzt ein neues Kopfsteinpflaster, außerdem wurden große Steine aufgestellt, zwischen denen sich ein künstlicher Bachlauf hindurchschlängelt. Der ganze Aufwand wurde aber mitnichten betrieben, damit es unter der Brücke pittoresk aussieht. Vielmehr gab es nur ein einziges Ziel: Obdachlose zu vertreiben.

Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) will die seit Jahrzehnten etablierte und bekannte Platte schon länger räumen. Schließlich sei die Helgoländer Allee „eine der touristischen Hauptachsen“. Soll heißen: Obdachlose? Da, wo die ganzen Touristen rumlaufen? Das sieht doch nicht aus

Durch die Steine und den Bachlauf sollte es unmöglich gemacht werden, unter der Brücke zu übernachten. Der Erfolg der Maßnahme ist aber offenbar gleich Null: Mehrere ältere Männer und eine Gruppe junger Punks sind nach dem Abzug der Bagger wieder unter der Brücke eingezogen. „Wir lassen uns hier nicht vertreiben“, sagt Ivo, einer von ihnen. „Die Steine stören doch gar nicht, da legen wir uns halt dazwischen“, ergänzt Ronald, ein anderer Obdachloser. „Immerhin sind wir hier vor Regen geschützt.“

Mit Steinen gegen Obdachlose: Markus Schreiber (SPD)
Mit Steinen gegen Obdachlose: Markus Schreiber (SPD)

Die Hamburger Morgenpost hat Schreiber kürzlich darauf hingewiesen, dass seine Vertreibungs-Aktion nicht wirkt. Sein Kommentar: „Dann müssen wir eben noch mehr Steine aufstellen.“ Bei solchem Behörden-Starrsinn fragt man sich: Hätten die 100.000 Euro nicht auch sinnvoll investiert werden können? Die Antwort lautet Ja: Hinz&Kunzt könnte für diese Summe zum Beispiel rund 30 Obdachlose während der kalten Wintermonate in Doppelzimmern unterbringen.

Fotos: Cornelius M. Braun, Action Press

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