Nach dem Zaunfall

Gespräche am Runden Tisch beginnen

Nachdem der Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke wegen massiver Kritik wieder abgebaut wurde,  beginnen am Mittwoch die Verhandlungen am Runden Tisch. Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer hofft, dass jetzt konstruktiv über bessere Hilfe für Obdachlose verhandelt wird.

Unter regem Medieninteresse wird der Zaun abgerissen
Am Freitag, 30 September, wurde der Zaun unter regem Medieninteresse wieder abgerissen.

Der Zaun ist weg, jetzt beginnen die Verhandlungen: Nachdem Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) den umstrittenen Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke hat abbauen lassen, treffen sich am Mittwoch, 5. Oktober unterschiedliche Akteure und Institutionen, um über eine bessere Obdachlosenpolitik für den Bezirk Mitte und ganz Hamburg zu beraten. Vorerst sind drei Gesprächsrunden im Sitz des Diakonischen Werkes Hamburg geplant, moderiert werden sie von Hans-Peter Strenge, dem Präsidenten der Synode der Nordelbischen Kirche.

Neben dem Bezirk Mitte, dem Diakonischen Werk, der Polizei und der Sozialbehörde wird auch Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer mit am Runden Tisch sitzen. Er freut sich bereits auf konstruktive Verhandlungen. „Mit dem Abbau des Zaunes hat der Bezirk den Weg frei gemacht für offene, ehrliche und konstruktive Gespräche”, so Karrenbauer. „Ich gehe davon aus, dass wir jetzt gemeinsam gute Lösungen finden können.”

Nach tagelangen Protesten von Hamburger Bürgern und massiver Kritik aus der eigenen Partei hatte Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) entschieden, den Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke wieder abbauen zu lassen. Am frühen Nachmittag des 30. September waren Bauarbeiter angerückt und hatten den Zaun restlos entfernt. Zuvor war der politische Druck auf Schreiber täglich gewachsen. Neben den Protesten war von der Opposition auch in der Bürgerschaft scharfe Kritik geäußert worden, Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hatte sich ebenfalls distanziert. Schreiber hatte am Donnerstag, 29. September in einigen Medien gesagt, er habe die symbolische Wirkung des Zauns wohl einfach unterschätzt.

Hinz&Kunzt hatte sich bereits kurz nach dem Abbau des Zaunes begeistert gezeigt. „Wir freuen uns, dass die Hamburger den Zaun nicht akzeptiert haben und nicht wollen, dass in dieser Stadt Obdachlose ausgegrenzt werden”, sagte Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller. Hinz&Kunzt hatte sich zudem bei den Hamburger Bürgern bedankt. „Danke Hamburg”, hieß es in einer Pressemitteilung. „Für das riesige Engagement, den Mut, die Kreativität und das Durchhaltevermögen. Eine ganze Stadt hat Gesicht gezeigt und das Symbol der Trennung zwischen Arm und Reich nach zehn Tagen wieder verschwinden lassen.”

Text&Foto: Hanning Voigts

4 Kommentare zu “Gespräche am Runden Tisch beginnen

  1. Der Zaun ist weg, ein fünfstelliger Steuerbetrag auch – mein Zorn und Unverständnis über so viel Herzlosigkeit der Politik erst mal noch nicht. Dem Herrn Sozialsenator mochte ich sagen, dass es hier nicht um unterschätzte Symbolhaftigkeit eines Zaunes ging, der die sehr massiven und erfreulichen Proteste der Bevölkerung auslöste, sondern um Ausgrenzung. Ich denke wenn man willens ist nachzudenken bedarf es keiner allzu großen Phantasie zu erkennen, dass solche Aktionen durch aus geeignet sind die Verrohung der Gesellschaft zu forcieren. Wenn ein „Penner“ auf seiner Platte erschlagen aufgefunden wird bleibt ja noch immer Zeit mehr Toleranz zu fordern.

  2. 18.000 Euro Steuergeld… „w“ – wie weg und „g“ – wie ganz weg. Mein „Dank“ an Herrn Schreiber! Dieser Mensch sollte die 18.000 Euro mal aus seiner eigenen Tasche zahlen, dann würde er sich sein nächstes Bauvorhaben wohl besser überlegen. Herr Schreiber: Wie Sie sicher wissen, gibt es in Hamburg viele Einrichtungen, welche sich um Obdachlose kümmern. Hätten Sie das für den Zaun ausgegebene Geld auf diese Einrichtungen verteilt, dann wären die 18.000 Euro wohl viel besser investiert gewesen.
    Grüße aus Sachsen-Anhalt an das gesamte Team und alle Verkäufer von „Hinz und Kunzt“!

    Thomas Röhrig
    (ehem. Verkäufer Nr. 967)

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