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Der Puppenspieler von Havanna

29. April 2010 | Von | Kategorie: 2010: Hinz&Kunzt-Ausgaben 203 – 214, Archiv, Hinz&Kunzt 205/März 2010

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Wolf Hermsen hat sich seinen Traum erfüllt. Zweieinhalb Jahre hat der 44-Jährige an seinem ersten Spielfilm gearbeitet. Jetzt kommt „Der Puppenspieler von Havanna“ ins Kino. Gedreht hat Hermsen den Film auf Kuba – mit einheimischen Schauspielern

(aus Hinz&Kunzt 205/März 2010)

Der skurrile Held heißt Roberto. Er ist Puppenspieler von Beruf und hat nur einen Wunsch: Er hofft, dass ein norwegischer Festivalmanager, den er vor Jahren kennengelernt hat, ihn und seine Marionetten nach Oslo einlädt. Aus dem Traum wird eine fixe Idee, und Robertos Familie beginnt, an dessen geistiger Gesundheit zu zweifeln. Was er niemandem verrät, ist, dass er in einem verfallenen Hinterhof einen weiteren Satz Marionetten versteckt hält. In diesen arbeitete er einst die Haare und das Blut seiner verstorbenen Frau Olga ein, um so den Puppen zu einem kraftvolleren Ausdruck zu verhelfen. Seine Freundin Maria und sein Sohn Oscar haben ihn schon abgeschrieben, als „der Norweger“ plötzlich tatsächlich auftaucht. Er macht Roberto ein Angebot, das sein Leben völlig verändert.
Auch sonst passiert so einiges in dem Film: Robertos Freundin Maria hat eine Affäre mit dem jungen deutschen Touristen Gerhardt, dem sie später nachstellt, weil er angeblich Robertos Marionetten gekauft hat. Maria will Gerhardt die Puppen wieder abluchsen. Bei der Observation überfährt sie ihren Ex-Geliebten aus Versehen, begeht Fahrerflucht und wird später von einer Zeugin erpresst. Das hört sich grausam an, aber ist noch ganz witzig. Im Gegensatz zu den unheimlichen Puppenszenen auf Robertos geheimer Probebühne. Die mysteriösen, albtraumhaften Szenen hat Filmemacher Wolf Hermsen übrigens wirklich geträumt.
Schließlich taucht auch noch Robertos tote Frau Olga auf, um von ihrem Mann die Puppen einzufordern. Ob real oder nur in der Fantasie Robertos, das bleibt offen wie das Ende. „Ich habe ganz bewusst dem Zuschauer Interpretationsspielraum gelassen“, sagt Wolf Hermsen.
Wie kommt ein Hamburger Filmemacher dazu, einen Film auf Spanisch über einen Puppenspieler auf Kuba zu drehen? Für Hermsen ist das ganz logisch: „Ich komme aus einer Künstler­familie und habe als Jugendlicher selbst Theater gespielt. Meine Mutter war Intendantin und Geschäftsführerin am Klecks-Theater. Das hat mich sicher geprägt.“ Nach dem Abitur beginnt Hermsen ein Philosophie- und Jurastudium und jobbt nebenbei als Kameramann. Er landet beim NDR, kündigt aber nach sechs Monaten wieder. „Die haben sich gewundert: Schließlich ist das fast wie eine Beamtenstelle, aber die Kunst ging vor.“ Er geht nach Berlin und später für einige Jahre nach Argentinien, da er sehr gut Spanisch spricht und etwas von der Welt sehen möchte. Von dort produziert er Kulturbeiträge, Dokumentationen und Reisesendungen aus Lateinamerika für deutsche Sender.
„Jetzt mache ich selbst etwas mit Kunst“, beschließt Hermsen 2005. Zurück zu den Wurzeln. „Zum Dreh auf Kuba kam es eher zufällig. Ich hatte dort schon Kurzfilme gemacht und tolle Schauspieler kennengelernt, die mein Projekt interessant fanden.“ 2006 und 2007 entsteht der „Puppenspieler.“ Aus eigener Tasche finanziert, mit Minibudget und kleinen Gagen. Und mit viel Improvisationstalent und Leidenschaft. Die braucht Wolf Hermsen auch in Zukunft, denn die Ideen für vier weitere Drehbücher hat er schon im Kopf.

Termine und Infos finden Sie unter hier.

Sybille Arendt

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