Tafelverband: „Aufschwung geht an Millionen vorbei“

Tafeln-Thema-1
Hinz&Kunzt-Mitarbeiter Sigi mit Helfern der Hamburger Tafel. Auch Hinz&Kunzt wird von der Tafel beliefert.

Die Zahl der Tafeln und ihrer Kunden wächst. Die positive wirtschaftliche Entwicklung ändert daran nichts. Diese Bilanz zogen die Tafeln – und fürchten, dass künftig noch mehr Menschen ihre Hilfe in Anspruch nehmen.

„Der Wirtschaftsaufschwung geht an Millionen Menschen vorbei“, sagt Gerd Häuser, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel. Von Menschen, „die sich aus eigener Kraft kaum aus dem Hartz-IV-Bezug befreien können“ und sogenannten Aufstockern sei selten die Rede, wenn das neue Jobwunder gepriesen wird. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, Hilfeempfängern „eine wirkliche Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben zu eröffnen“. „Mit fünf Euro mehr im Monat ist es nicht getan“, so Häuser. Der Regelsatz für Arbeitslosengeld-II-Empfänger wurde zum 1. Januar 2011 um fünf Euro auf 364 Euro erhöht.

Der Tafelverband erwartet Preissteigerungen bei Energie und Nahrungsmitteln. „Das könnte dazu führen, dass in den nächsten Monaten mehr Menschen die Hilfe der Tafeln in Anspruch nehmen müssen.“ Laut Angaben des Verbands ist die Zahl der Tafeln in Deutschland im vergangenen Jahr leicht gestiegen: auf aktuell 884 Tafeln mit geschätzten 1,3 Millionen Kunden. Es nähmen vor allem mehr ältere Menschen die kostenlosen Lebensmittel in Anspruch: 2007 habe der Anteil der Senioren noch bei 12 Prozent gelegen, aktuell bei 17 Prozent.

Gerd Häuser stellt klar: „Die Tafeln können und wollen den Sozialstaat nicht ersetzen. Der Staat ist und bleibt dafür verantwortlich, Hilfebedürftigen jeden Alters ein menschenwürdiges Auskommen zu ermöglichen.“ Sozialexperten kritisieren, Tafelarbeit sei erfolgreiche Armutsbewältigung, nicht aber nachhaltige Armutsbekämpfung. (Lesen Sie dazu den Beitrag des Soziologen Stefan Selke aus Hinz&Kunzt 206/April 2010: „Was Tafeln leisten können – und was nicht“)

Text: SIM/Bundesverband Deutsche Tafel
Foto: Action Press

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *