Adventskränze und Kronenkorken

Die Frauengruppe von Hinz&Kunzt präsentiert fünf außergewöhnliche Adventskränze

(aus Hinz&Kunzt 190/Dezember 2008)

Fünf Frauen sitzen um zwei große Tische herum, ein Haufen Bastelmaterial liegt in der Mitte und Kuchen auf den Tellern. Den hat Susi mitgebracht, wie immer wenn die Hinz&Kunzt-Frauengruppe sich trifft. Der Raum ist kühl, das Klima auch. „Stellt euch nicht so an“, raunzt Susi, als sich jemand über die Kälte beschwert. „Ich habe zehn Jahre Platte gemacht, da war es kälter.“

Dabei hat Fotografin und Bastelexpertin Thordis Rüggeberg gut vorgesorgt. Die 40-Jährige entwickelt leicht umsetzbare Bastelideen für Frauenzeitschriften. „In den Redaktionen heißt es oft: Stellen Sie sich vor, Sie haben beide Arme in Gips. Dann ist es unser Thema“, erzählt sie. Unser Motto „Adventskränze mit Materialien von der Straße“ hat sie pragmatisch und kostenbewusst vorbereitet. Auf dem Tisch liegen Kränze aus Stroh und Styropor, grüne Mülltüten (statt Tannengrün), Kronenkorken, aber auch Weihnachtskugeln in allen Farben und glänzendes Geschenkband.

Bastelstimmung will sich zuerst nicht so recht einstellen. Plauderstimmung auch nicht. Nur Susi und Laura sind guter Dinge. Susi, passionierte Strickerin, Bäckerin und Bastlerin, hat sogar ihre persönliche Kiste voller Weihnachtsdeko von zu Hause mitgebracht und eine eigene Heißklebepistole. Laura ist ebenfalls vorbereitet. Sie wühlt minutenlang in ihrem riesigen Rucksack und breitet schließlich lauter ungewöhnliche Fundstücke vor sich aus, die sie auf der Straße entdeckt hat und nun verarbeiten will: einen Kamm, Lippenstift, einen Gürtel mit einer funkelnden Strass-Schnalle. Und einen silbernen Tannenbaum, den ihr Sozialarbeiterin Isabel Kohler geschenkt hat.

Lauras Aktivität wirkt offensichtlich ansteckend, denn die Ideen beginnen zu sprudeln und die Hände wühlen geschäftig in den Packungen mit bunten Kugeln und Geschenkband, wickeln und kleben. Sogar Maria, die zunächst schlechte Laune hat, weil sie lieber mit Tannenzweigen gearbeitet hätte, werkelt konzentriert an einer gewagten Mischung aus konventionellem Baumschmuck und Kronenkorken. Originell muss es sein: Sie nimmt fünf Kerzen statt vier. „Was habe ich als gebürtige Portugiesin schon mit Advent zu tun“, sagt sie trotzig. Die fummelige Arbeit macht sie ein wenig gereizt, denn wegen der Medikamente, die sie gegen ihre epileptischen Anfälle nehmen muss, zittern ihre Hände. Das ist lästig und gefährlich beim Arbeiten mit der heißen Klebepistole – und prompt verbrennt sie sich.

Parallel zu den Händen kommen auch die Gespräche in Schwung. Und zwar mächtig, denn jetzt reden mindestens zwei Frauen gleichzeitig. Susi erzählt von ihrer Zeit auf der Straße und im Frauenhaus, Maria sagt, dass sie Sehnsucht nach ihren vier Kindern hat, die alle bei ihren jeweiligen Vätern leben, und Vera zeigt eine Tätowierung auf ihrem Rücken, die sie sich zur Erinnerung an das Ende einer Beziehung hat stechen lassen. Weihnachten ist eben eine Zeit der Gefühle – auch für die nicht so zimperlichen Frauen dieser Runde.

Sybille Arendt

Man nehme:
5 Adventskränze aus Stroh/Styropor (für 4 Euro im Bau- oder Supermarkt)

1 Beutel Kronenkorken (gewaschen, damit es nicht nach Kneipe riecht)

grüne Mülltüten

Weihnachtskugeln und Geschenkband aus dem 1-Euro-Laden oder dem heimischen Fundus

Geschenke der Natur (Tannenzapfen, Walnüsse)

Heißklebepistole und Kleber (für rund 5 Euro im Baumarkt)

Halter für Weihnachtsbaumkerzen

Baumkerzen

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