Kommentar Hinz&Künztler Klaus

„Wo alkoholfrei draufsteht, muss auch alkoholfrei drin sein!“

Hinz&Kunzt-Verkäufer Klaus ärgert sich: Lange Zeit griff er im guten Glauben zu alkoholfreiem Bier – und erfuhr nun, dass es so etwas gar nicht gibt. Ein Kommentar.

(aus Hinz&Kunzt 239/Januar 2013)

Hinz&Künztler Klaus bekam schon ÄRGER: weil er Bier in der Bahn trank. Dabei war es alkoholfrei.

Werbung in dieser Art kennt fast jeder: Fesche Sportler erfrischen sich nach dem Training oder einem Match mit einem Bier – „natürlich alkoholfrei“, wie sie dabei strahlend verkünden. So entsteht der Eindruck, alkoholfreies Bier sei eine tolle Alternative zu normalem Bier und dazu noch richtig gesund – also ein perfektes Getränk nicht nur für Sportler, sondern genauso für Autofahrer. Auch ich habe lange Zeit im guten Glauben alkoholfreies Bier gekauft. Ich will mich nämlich nicht betrinken, ich mag ganz einfach den herben Geschmack.

Aber nun habe ich vor Kurzem in der Zeitung gelesen, dass es wirklich alkoholfreies Bier gar nicht gibt. „Clausthaler alkoholfrei“ hat beispielsweise 0,45 Prozent, das ist doch ein gewaltiger Unterschied zu 0,0 Prozent! Bis zu 0,5 Prozent darf ein Bier haben, bevor es als normales Bier gilt. 0,5 Prozent – weil, so argumentiert der Gesetzgeber, auch Fruchtsäfte so viel Alkohol enthalten können. Ich finde: Das ist eine Frechheit, mich ärgert diese Täuschung ungemein. Wenn bei einem Bier „alkoholfrei“ draufsteht, muss auch „alkoholfrei“ drin sein!

Was ist denn beispielsweise bei Festen oder Familienfeiern? Viele, die sich da als Fahrer anbieten, greifen sicher zu alkoholfreiem Bier als Alternative zu Wasser und Saft. Was ist, wenn sie hinterher in eine Verkehrskontrolle geraten? Was ist mit dem Jugendschutz? Dürfen Jugendliche alkoholfreies Bier kaufen? Und was ist mit dem Alkoholverbot in der Bahn und beim HVV? Das wird von den Kontrolleuren ganz unter-schiedlich gehandhabt.

Mir ist es schon passiert, dass ich im Zug vom Personal angesprochen wurde, als ich alkoholfreies Bier dabei hatte: Dass ich da mit einer Flasche in der Hand sitze, da könnte ich ein schlechtes Vorbild sein! Und dabei hatte ich mir das vorher extra noch in einem Supermarkt besorgt – weil es nämlich ausgerechnet an den Kiosken der Bahn ausschließlich normales Bier gibt! Beim ersten Mal sollte ich Bußgeld bezahlen, da dachte das Personal fälschlicherweise, ich würde normales Bier trinken. Aber zweimal wurde ich auch schon gebeten, das Trinken von alkoholfreiem Bier zu unterlassen – eben weil es nicht absolut alkoholfrei sei. Das ist doch Irrsinn!

Ich sehe deshalb jetzt die Bierhersteller in der Pflicht. Entweder, sie bieten tatsächlich alkoholfreies Bier an, oder sie schreiben Warnhinweise aufs Etikett. Alles andere ist eine Täuschung. Gerade diejenigen, die sich vernünftig verhalten und Regeln einhalten wollen, werden total verarscht.

Protokoll: Maren Albertsen
Foto: Daniel Cramer 

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