Tag der Wohnungslosen : Wohnungslose immer jünger und weiblicher 

Für die Menschen auf der Straße fordert die Diakonie in Hamburg anlässlich des Tags der Wohnungslosen Unterkünfte mit Einzelzimmern anstelle der städtischen Großunterkünfte. Foto: picture alliance / Arco Images GmbH

Immer mehr jüngere Menschen sind wohnungslos, beobachtet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Auch viele Familien mit Kindern seien betroffen. Die Diakonie fordert Unterkünfte mit Einzelzimmern.

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Zum Tag der Wohnungslosen präsentiert die Bundearbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) eine beunruhigende Statistik: Die Menschen, die in Deutschland keine Wohnung haben, werden immer jünger. Dem jährlichen Lebenslagenbericht der Organisation zu Folge sind die meisten zwischen 30 und 39 Jahre alt. Insbesondere bei den jungen sind viele Frauen betroffen: Etwa jede fünfte wohnungslose Frau ist unter 25 Jahre alt, während bei den Männern jeder sechste dieser Altersgruppe angehört. Insgesamt sind 27 Prozent der Wohnungslosen weiblich, womit sich der Frauenanteil in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat.

„Zum einen setzen sich Trends der letzten Jahre fort, zum anderen beobachten wir aber auch neue Entwicklungen, die das Hilfesystem sowie die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung vor neue Herausforderungen stellen“, sagt BAGW-Geschäftsführerin Werena Rosenke und weist darauf hin, dass immer mehr Familien mit Kindern Hilfe bei den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe suchen.

Diakonie fordert Einzelzimmer für Wohnungslose

Die Hamburger Diakonie fordert anlässlich des Tags der Wohnungslosen Unterkünfte mit Einzelzimmern für sie anstelle der städtischen Großunterkünfte. „In der Coronazeit haben wir gute Erfahrungen mit Einzelunterbringung gemacht – in diese Richtung muss sich das Hilfesystem weiterentwickeln“, sagt Dirk Hauer, Leiter des Fachbereichs Migration und Existenzsicherung. „Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen die Menschen wirklich zur Ruhe kommen können. Nur so können nachhaltige Hilfeperspektiven erarbeitet werden.“ Im Sommer hatte die Diakonie gemeinsam mit Hinz&Kunzt und der Hilfseinrichtung Alimaus mit Spendengeldern rund 170 Obdachlose in Hotelzimmern untergebracht. „Wir konnten eine durchweg positive Bilanz ziehen“, resümiert Hauer.

Auch die Diakonie Deutschland fordert, provisorische Angebote wie die Hotelunterbringung bis zum Winter zu verstetigen. „Ohne Unterstützung aus der Politik geht es nicht!“, sagt Maria Loheide, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie. „Die Wohnungsnotfallhilfe braucht mehr finanzielle Mittel für die Versorgung und Begleitung wohnungsloser Menschen und um zusätzliche Räume für wohnungslose Menschen zu erschließen.“ Keinesfalls dürften Einrichtungen in die Situation geraten, wohnungslose Menschen mit Verweis auf Coronaschutzmaßnahmen abweisen zu müssen „und sie den Risiken des Lebens auf der Straße bei Kälte auszusetzen.“

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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