Nach Vorjahreshoch : Wieder weniger Wohngeldempfänger

Weniger Hamburger als im Jahr zuvor bekommen Wohngeld. Foto: I-Vista / pixelio.de.

Die Zahl der Wohngeldempfänger in Hamburg ist im vergangenen Jahr um elf Prozent gesunken – nachdem es zuletzt noch einen deutlichen Zuwachs gab. Für den Rückgang kommen gegensätzliche Ursachen infrage: zu viel oder zu wenig Verdienst. 

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Knapp 12.000 Haushalte in Hamburg erhielten zum Jahresende 2017 Wohngeld. Im Jahr zuvor waren es noch 13.354 gewesen – das entspricht einem Rückgang von elf Prozent. Diese Zahlen hatte zuvor das Statistikamt Nord gemeldet.

Doch wie lässt sich der erneute Rückgang erklären? Die Antwort der zuständigen Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen fällt dünn aus: Zu den Ursachen für den Rückgang haben man „derzeit keine Erkenntnisse“, sagt Sprecherin Barbara Ketelhut.

Weitaus konkreter wird Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg. Er vermutet zwei Ursachen – Ursachen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: „Bei Einigen hat sich die Einkommenssituation verbessert, so dass sie kein Wohngeld mehr benötigen“, sagt Chychla, „bei den Anderen hat sich die finanzielle Lage hingegen so verschlechtert, dass sie statt Wohngeld nun Transferleistungen wie Hartz IV beantragen müssen.“ In Hamburg betrifft dies rund 148.000 Haushalte.

„Manche müssen statt Wohngeld nun Hartz-IV beantragen.“– Siegmund Chychla, Mieterverein

Auch Thorsten Erdmann vom Statistikamt Nord vermutet Ähnliches: Menschen, bei denen ein ohnehin kleines Einkommen auch noch weg breche, würden einen Anspruch auf Hartz-IV, nicht nur auf Wohngeld haben. Der andere Grund, so Erdmann: die wirtschaftliche Situation hat sich deutlich verbessert: „Man wächst dann aus dem Wohngeld raus.“

Man kann entweder Wohngeld oder Hartz IV beantragen, beides geht nicht. Hartz-IV-Empfänger haben seit 2005 keinen Anspruch auf Wohngeld, da ihre Miete in den Kosten der Unterkunft berücksichtig wird. Wohngeld wird als Zuschuss für Menschen mit einem geringen Einkommen von Bund und den Ländern gezahlt.

Im Durchschnitt waren das im vergangenen Jahr 124 Euro für dass Alleinwohnende. Ihr Anteil an den Wohngeldempfänger beträgt 48 Prozent. In Haushalten mit fünf oder mehr Personen waren es 308 Euro. Beide Gruppen machen den Großteil der Geförderten aus.

2016 wurde das Gesetz geändert

Unklar bleibt, ob diejenigen Hamburger, die einen Anspruch auf Wohngeld haben, auch tatsächlich darüber Bescheid wissen. Im Jahr 2016 wurde das Wohngeldgesetz erneuert. Damals wurden auch die Bemessungsgrenzen für Miet- und Nebenkosten angehoben, sprich: seither haben deutlich mehr Hamburger einen Anspruch auf den Zuschuss von Bund und Ländern.

Schon damals kritisierte die Linke jedoch, dass die Stadt zu wenig über das Wohngeld informiere. Behördensprecherin Ketelhut sagte auf Nachfrage von Hinz&Kunzt, dass die Wohngeldstellen in den Bezirken Interessierte beraten, „auch über Änderungen wie die Wohngeldreform im Jahr 2016.“ Weitere Informationen würden auf der Internetseite www.hamburg.de/wohngeldrechner zur Verfügung gestellt. Wer Wohngeld beantragen will, kann die dafür notwendigen Formulare auf hamburg.de herunter laden.

 

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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