Todesfälle : Vier weitere Obdachlose auf der Straße gestorben

Die Überreste der Platte von Uwe M. in Oranienburg. Foto: Helge Treichel.

In Gießen, Essen, Hannover und Oranienburg haben Passanten die Leichname von vier Obdachlosen entdeckt. Uwe (57) starb in seinem Zelt. Die anderen drei hatten zum Zeitpunkt ihres Todes nicht mal ein Behelfsdach über dem Kopf.

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Der Obdachlose Uwe starb am 13. Februar in einem Zelt in Oranienburg bei Berlin, berichtet die MOZ. Woran, ist unklar. „Er hatte Diabetes und offene Beine“, erzählt Janette Budtke im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Die Friseurmeisterin hatte sich 2014 mit dem Obdachlosen angefreundet, als sie ihm das erste Mal die Haare in einer Obdachlosenunterkunft geschnitten hatte. Später gründete sie den Hilfsverein „Charity Banditen“ für Obdachlose – „seinetwegen“, so Budtke.

Besonders schwer zu schaffen macht ihr, dass Uwe trotz eines WG-Zimmers draußen in einem Zelt übernachtete. „Er hat das vor mir verheimlicht. Ich sehe ihn noch vor mir mit seinen kleinen Knöpfchenaugen“, sagt Janette Budtke traurig. „Ich glaube, er konnte einfach nicht mehr“, sagt sie.

Janette Budtke kannte den verstorbenen Uwe M. gut. Foto: PuR.

Damit Uwe nicht anonym bestattet werden muss, organisierte die Friseurmeisterin spontan eine Online-Spendenaktion. Nach nur 36 Stunden kamen rund 3600 Euro zusammen. Die Beerdigungskosten sind damit gesichert, die Bestattung findet am 16. März statt. „Ich danke nochmals allen, die das ermöglicht haben“, so Budtke.

Tote Obdachlose in Hannover, Essen und Gießen

Uwe ist einer von vier Menschen, die zwischen dem 7. und 18. Februar in Deutschland in Deutschland auf der Straße gestorben sind: In Essen wurde am 7. Februar der Leichnam eines circa 50-jährigen Mannes in einem Waldstück von einem Spaziergänger entdeckt. Die Polizei hat die Bevölkerung aufgerufen, ihr bei der Klärung der Identität zu helfen. In der Feldmark bei Hannover fand ein Jagdpächter am 13. Februar eine 52-jährige Obdachlose tot neben einem Hochsitz. Zuletzt wurde am Montag (18. Februar) ein 39-jähriger Mann in Gießen in der Nähe eines Aldi-Supermarktes leblos von einer Passantin entdeckt.

In alle vier Fällen schließt die Polizei ein Fremdverschulden aus, hieß es auf Hinz&Kunzt-Nachfrage. Von den Obdachlosen in Essen und Oranienburg ist bekannt, dass sie „gesundheitliche Probleme“ hatten.

Sechs Hamburger Todesfälle

In Hamburg sind in diesem Winter bereits fünf Menschen auf der Straße gestorben. Ein sechster, Michael (49), starb im Krankenhaus, nachdem er auf seiner Platte auf der Reeperbahn zusammen gebrochen war. Zuletzt fand ein Spaziergänger am 30. Januar den leblosen Körper der obdachlosen Edda (57) im Wandsbeker Gehölz.

Erfrieren als Todesursache steht bislang nur bei Hinz&Künztlerin Joanna fest. In Deutschland gibt es keine offiziellen Statistiken über Kältetote. Die Hamburger Polizei erfasst die Zahl der toten Obdachlosen insgesamt nicht.

Ob jemand auf der Straße erfroren ist, lässt sich zudem nur schwer feststellen: Eine Obduktion wird nur angeordnet, wenn die Todesursache unklar ist beziehungsweise der Verdacht auf Fremdverschulden besteht. Viele Kältetode bleiben so vermutlich unentdeckt.

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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