Mahnwache und Sondersitzung : Tod von fünf Obdachlosen beschäftigt die Bürgerschaft

Andreas Grutzeck (CDU) fordert eine Sondersitzung des Sozialausschusses der Bürgerschaft zu den gehäuften Todesfällen unter Obdachlosen. Foto: Dmitrij Leltschuk

Nach dem Tod von fünf Menschen auf Hamburgs Straßen innerhalb weniger Tage mehren sich Stimmen, die eine Hotelunterbringung für Obdachlose fordern. Die Opposition will zudem eine Sondersitzung des Sozialausschusses der Bürgerschaft einberufen.

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Wie konnte es passieren, dass innerhalb einer Woche fünf Obdachlose auf Hamburgs Straßen starben? Antworten auf diese Frage erhoffen sich CDU und Linke in der Bürgerschaft vom Senat und fordern deswegen eine Sondersitzung des Sozialausschusses.

Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Andreas Grutzeck, verlangt vom Senat darzulegen, welche zusätzlichen Hilfen den Obdachlosen jetzt angeboten werden und inwieweit das bestehende Winternotprogramm überhaupt noch seinen Zweck erfülle: „Dazu gehört auch die Frage, warum der Senat eine sichere Einzelunterbringung in Hotels weiterhin ablehnt und stattdessen stur an den bisherigen Sammelunterkünften festhält.“

Die scharfe Kritik der CDU überrascht: Noch im Dezember hatte auch die CDU gegen einen Antrag der Linksfraktion gestimmt, Obdachlose in Hamburger Hotels unterzubringen. Allerdings nur, weil die Partei grundsätzlich nicht mit der Linken zusammenarbeiten will, erklärt eine Sprecher auf Nachfrage

In der Praxis stellen CDU und Linke im Bereich der Wohnungslosenhilfe jedoch seit einigen Monaten nahezu identische Forderungen. So betonen beide Oppositionsparteien genauso wie Hinz&Kunzt, dass Obdachlose lediglich in Einzelzimmern richtig geschützt sind – vor allem vor dem Coronavirus.

„Diakonie, Alimaus und Hinz&Kunzt haben mittlerweile 90 Obdachlose mit Hilfe von Spendengeldern in Hotelzimmern untergebracht. Wir ermutigen die Stadt, uns darin zu folgen“– Landespastor Dirk Ahrens

Weil der Senat solch ein Hilfsprojekt bislang allerdings ausschließt, meldet sich jetzt auch Landespastor und Hinz&Kunzt-Herausgeber Dirk Ahrens zu Wort: „Viele Obdachlose scheuen die Großunterkünfte des Winternotprogramms der Stadt. Weil Zimmer immer mit mehreren Personen belegt werden, gab es jedes Jahr Obdachlose, die Angst vor Kriminalität hatten und zu große Nähe mit unvertrauten Menschen scheuten. Dieses Jahr kommt die Angst vor Corona dazu.“ Es sei somit wenig verwunderlich, dass in den drei Großunterkünften aktuell rund 300 Betten frei blieben. Komplett ausgelastet hingegen sind die 90 Hotelbetten, die Diakonie, Alimaus und Hinz&Kunzt gemeinsam mit Hilfe von Spendengeldern anmieten konnten. „Wir ermutigen die Stadt, uns darin zu folgen“, sagt Ahrens.

Nicht einmal finanzielle Gründe sprächen gegen solch ein Hilfsprojekt, rechnet Grutzeck vor. „Denn die Unterbringung in einem kleinen Hotel im Einzelzimmer kostet nur rund 30 Euro pro Tag, die Kosten für einen Platz im Winternotprogramm dürfte auch wegen der damit verbundenen Personal- und Hygienekosten der Sammelunterkünfte fast doppelt so hoch sein.“

Bis zu einer Sondersitzung des Sozialausschusses werden allerdings noch einige Wochen vergehen. Hinz&Kunzt ruft deswegen jetzt zum Protest auf: Am Mittwoch wollen Hinz&Kunzt und Straßensozialarbeiter*innen ab 15 Uhr eine Mahnwache auf der Reesedammbrücke in Sichtweite des Rathauses abhalten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass noch mehr Menschen auf der Straße sterben“, sagt Stephan Karrenbauer.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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