StrassenBLUES : Verein plant Geburtstagsfeiern für Obdachlose

Der Verein StrassenBLUES will Obdachlose an ihren Geburtstagen mit anderen Menschen zusammenbringen. Foto: David Diwiak.

Das Projekt StrassenGEBURTSTAG will die Geburtstage von Obdachlosen künftig zu etwas Besonderem machen. Geschenke dürfen dafür nicht fehlen, doch im Zentrum stehen Begegnung und Empathie.

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Dass sie wissen, was Obdachlosen guttut, zeigen die Macher vom Verein StrassenBLUES schon seit 2015: Seitdem organisieren sie jedes Jahr im Dezember eine Weihnachtsfeier für Obdachlose, auf der sie sie mit anderen Hamburgerinnen und Hamburgern zusammenbringen – Begegnungen auf Augenhöhe. Die persönlichen Geschichten der Obdachlosen veröffentlicht der Verein vorher über seine Social-Media-Kanäle, zusammen mit einem Weihnachtswunsch, der dann auf der Feier hoffentlich erfüllt wird.

Dieses Projekt soll fortan um den StrassenGEBURTSTAG erweitert werden. Ab Juni will StrassenBLUES das ganze Jahr über Geburtstagsfeiern für Obdachlose organisieren und hat nun ein Crowdfunding gestartet, um das zu ermöglichen. Das Konzept ist an das der Weihnachtsfeier angelehnt: Auf einer Online-Plattform möchte der Verein einen Kalender mit den Geburtstagen der Obdachlosen veröffentlichen, gemeinsam mit einem kurzen Porträt und einem Geburtstagswunsch.

Menschen zusammenbringen

Das kann ein Schlafsack sein, Hundefutter oder eine Theaterkarte, zählt Nikolas Migut von StrassenBLUES auf, welche Wünsche es bei der Weihnachtsfeier schon gab. Wer den Wunsch erfüllen möchte, meldet sich beim Verein. Der lernt die Interessenten mindestens telefonisch kennen und bringt dann Schenker und Geburtstagskind auf einer Feier zusammen.

„Das Geschenk ist nur ein Vorwand.“– Nikolas Migut

Dort, so stellt Migut es sich vor, gibt es Musik, besonderes Essen und es wird natürlich das Geschenk überreicht – auch wenn Letzteres eigentlich „nur ein Vorwand“ sei. Vor allem soll es beim StrassenGEBURTSTAG nämlich um den Austausch zwischen Menschen mit und ohne Dach über dem Kopf gehen. Toll fände der Journalist, wenn aus der Feier langfristige Patenschaften entstehen. „Das ist aber der schwierigste Part“, gibt er zu. „Wir können ja vorher nicht wissen, ob zwei Menschen sich sympathisch sind.“

Das ist auch ein Grund, warum die Feiern vermutlich nicht an den jeweiligen Geburtstagen der Obdachlosen stattfinden werden, sondern eher alle ein bis zwei Monate und dann in größeren Gruppen. So sei die Atmosphäre entspannter als in einem Zwiegespräch.

Jugendliche porträtieren Obdachlose

Die Porträts für den Geburtstagskalender sollen Schülerinnen und Schüler in Form von Fotos und kurzen Videos liefern. „Ich glaube, als 16- oder 17-Jähriger hat man nicht so viele Berührungspunkte mit Obdachlosen“, erklärt Migut, wieso er auch diese Gruppe in das neue Projekt einbeziehen will. In einer Unterrichtseinheit sollen sie mehr über Obdachlosigkeit erfahren und dann selbst die Begegnung zu Obdachlosen suchen. Wenn sie wollen, können sie auch bei der Geburtstagsfeier dabei sein.

10.000 Euro möchte StrassenBLUES bis zum 5. Juni sammeln. Migut hofft, dass der Verein mit dem Geld die Online-Plattform, Unterrichtsmaterial und die ersten drei Geburtstagsevents bezahlen kann. Dann will der Verein bewerten, ob das Projekt langfristig funktionieren kann – also zum Beispiel, wie viele Obdachlose sich zu ihrem Geburtstag überhaupt so viel Begegnung und Austausch wünschen. „An den Schenkern wird es nicht scheitern“, sagt Migut voraus. Bei den Weihnachtsfeiern finde sich bereits nach wenigen Tagen für fast alle Wünsche ein Schenker.

Über den Autor
Theresa Horbach
Schreibt seit 2016 als freie Mitarbeiterin für Hinz&Kunzt - aus Überzeugung, dass konstruktiver Lokaljournalismus unsere Gesellschaft verändern kann.

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