Gewalt : So könnten wir Übergriffe auf Obdachlose verhindern

Konfliktforscher Andreas Zick hat die Gründe für Gewalt gegen Obdachlose erforscht. Foto: Uni Bielefeld

Angesichts zunehmender Gewalttaten gegen Obdachlose fordern Experten gegenüber Hinz&Kunzt Präventionsmaßnahmen und eine gesellschaftliche Ächtung dieser Taten.

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Es ist schon wieder passiert: Am Sonntag hat ein Unbekannter im Hamburger Stadtteil Lurup einem Obdachlosen gegen den Kopf getreten und ihn so lebensgefährlich verletzt. Immer häufiger werden Obdachlose Opfer von Gewalttaten.

Bleibe nach solchen Taten öffentliche Empörung aus, würden die Schläger von einer Art „sozialen Rückendeckung“ ausgehen, warnt die Kriminologin Daniela Pollich von der Kölner Fachhochschule für Verwaltung im Gespräch mit Hinz&Kunzt. „Die ­Gesellschaft sollte sich deutlich dazu verhalten“, sagt sie. „Das würde sicher einige Täter davon ­abhalten, zuzuschlagen.“

„Menschen, die Kontakt mit Wohnungslosen haben, haben deutlich weniger Vorurteile.“– Konfliktforscher Andreas Zick

Der Leiter des Bielefelder Zentrums für Konfliktforschung Andreas Zick betont, wie wichtig ­Aufklärung sei, um solche Übergriffe zu verhindern. „Menschen, die Kontakt mit Wohnungslosen haben und etwas über ihre Welt erfahren, haben deutlich weniger Vorurteile“, sagt er. Deshalb ­plädiert er für Programme, die Obdachlose und Menschen mit Wohnung zusammenbringen: „Entweder macht unsere Gesellschaft da ein bisschen mehr, oder wir müssen uns nicht wundern, wenn wir Gewalt sehen.“

In der Sozialbehörde sieht man jedoch keine Notwendigkeit für gezielte Präventionsmaß­nahmen, sondern verweist auf ein allgemeines Programm der Stadt gegen Rechtsextremismus. „Wir brauchen nicht für jede Gruppe ein eigenes Programm, sondern müssen alle im Blick haben“, sagt Sprecher Marcel Schweitzer. Und mit Gewalt gegen Obdachlose befasse sich die Behörde nicht explizit: „Das ist Polizeisache.“

Die Polizei aber macht zwar ihre Ermittlungsarbeit, erfasst die ­Gewalttaten gegen Obdachlose – anders als andere Bundesländer – jedoch nicht einmal gesondert. Um zu erfahren, wie viele Fälle es in Hamburg gab, muss man das BKA in Wiesbaden fragen.

Hinz&Kunzt: Sichere Unterkünfte bieten den besten Schutz

Jede Gewalttat gegen Obdachlose zeigt, wie schutzlos sie auf der Straße sind. „Wir können die Tür hinter uns abschließen, um uns zu schützen“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Obdachlose könnten das nicht. „Wir brauchen deshalb dringend Unterkunftsplätze für alle Obdachlosen – egal, woher sie kommen!“

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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