Streit mit Sozialamt

Rentner erhält Pfandgeld zurück

Ein großer Haufen leerer PET-Pfand-Flaschen
Ein großer Haufen leerer PET-Pfand-Flaschen
Dass Menschen ihre Rente mit Pfandsammeln aufbessern, ist in Deutschland keine Seltenheit. Foto: iStock/Kwangmoozaa

Das Sozialamt Altona hat einem Rentner mehr als 100 Euro zurückerstattet, die es ihm zuvor von der Grundsicherung abgezogen hatte. Er hatte sie durch Pfandsammeln erwirtschaftet.

Das lange Ringen zwischen einem Rentner und dem Sozialamt des Hamburger Bezirks Altona hat ein Ende: 105,25 Euro Pfandgeld hat der Mann vom Amt zurückerhalten, wie aus einem Bescheid vom 1. September hervorgeht, den ein Blogger veröffentlicht hat. Zuvor hatte das Sozialamt dem Rentner immer wieder zweistellige Beträge von der Grundsicherung abgezogen, die er als Einkommen aus dem Sammeln von Pfandflaschen angegeben hatte.

Als Hinz&Kunzt im Januar darüber berichtete, verteidigte das Amt die Kürzungen noch: Man habe das Geld von der Sozialhilfe abziehen müssen, eine Ausnahme für Einkünfte aus Pfandsammeln gebe es im Sozialgesetzbuch nicht. Schon damals hatte das Bundessozialministerium auf Hinz&Kunzt-Nachfrage durchblicken lassen, dass es das mit Blick auf die Rechtsprechung anders sieht.

Der Pfandjäger
Flaschensammeln in Hamburg
Der Pfandjäger
Igor hat Pfandflaschen gesammelt, als er ganz unten war: harte Arbeit für wenig Geld, die niemand freiwillig macht, meint der Hinz&Kunzt-Verkäufer. Für Hunderttausende ist sie alternativlos.

Sozialministerium weist Hamburger Behörden zurecht

Inzwischen hat sich das Sozialministerium gegenüber den Hamburger Behörden ausführlich geäußert und klargestellt, dass „moderate Summen“, die durch Pfandsammeln erzielt werden, nicht von der Grundsicherung abgezogen werden dürfen, „wenn sie die Sicherstellung des Lebensunterhalts nicht wesentlich beeinflussen“.

Ein Urteil des Sozialgerichts Düsseldorf gilt nach Ansicht des Ministeriums auch für den Bereich der Grundsicherung: Eine 53-jährige Wohnungslose hatte im Jahr 2020 erstritten, dass ihr das gesammelte Pfandgeld nicht vom Hartz-IV-Satz abgezogen werden durfte. Entsprechende Medienberichte – auch von Hinz&Kunzt – hatte die Sozialbehörde noch im Februar als „in dieser Form nicht plausibel“ bezeichnet.

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 404

Bildung für alle!

Wie ein gerechtes Bildungssystem aussehen könnte und wo sich in Hamburg Arme und Wohnungslose bilden. Außerdem: wieso Nachbarn des Winternotprogramms mehr Hilfe für Obdachlose fordern und wo Harburgs Musikszene floriert.

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD für das Onlinemagazin.

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