Brandanschlag auf Obdachlose : Polizei nimmt Tatverdächtigen fest

Die Platte der Obdachlosen wurde bei dem Feuer völlig zerstört. Foto: JOF

Ein 29-jähriger Mann ist am Mittwoch von der Polizei festgenommen worden, nachdem ein Polizist ihn auf einem Überwachungsvideo erkannt hatte. Er soll in der Nacht zu Dienstag zwei Obdachlose auf ihrer Schlafstätte angezündet haben.

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Eine Überwachungskamera hat den mutmaßlichen Brandstifter gefilmt, der in der Nacht zu Dienstag zwei Obdachlose in einem Parkhaus an den Landungsbrücken angezündet haben soll. Polizeibeamte nahmen am Mittwochmittag in der Lindenallee im Hamburger Stadtteil St. Georg einen Tatverdächtigen fest, nachdem ein Polizist ihn auf den Aufnahmen erkannt hatte.

Medienberichte, wonach der 29-jährige Mann selbst auf der Straße lebt, bestätigte die Polizei am Mitttwochnachmittag nicht: „Es ist von unserer Seite noch nicht geklärt, ob der Mann selbst wohnungslos ist“, sagte eine Polizeisprecherin zu Hinz&Kunzt. Die Vernehmung dauert demnach noch an. Am Mittwochabend soll der Verdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden.

Mordkommission ermittelt
Obdachlose bei Brandanschlag verletzt
Bei einem Feuer in einem Parkhaus an den Landungsbrücken sind zwei Obdachlose in der Nacht zu Dienstag leicht verletzt worden. Die Mordkomission hat die Ermittlungen übernommen und sucht Zeugen.

Die 42 und 32 Jahre alten Obdachlosen waren bei dem Feuer zum Glück nur leicht verletzt worden und sind inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen. Die beiden Polen mussten am Mittwochmorgen allerdings nach Hinz&Kunzt-Informationen von der Mobilen Hilfe der Caritas erneut notdürftig medizinisch versorgt werden.

Erleichterung bei Hinz&Kunzt

„Wir sind erleichtert, dass der mutmaßliche Täter so schnell gefasst wurde“, sagt Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Das zeigt, dass die Polizei auch Obdachlose ernst nimmt. Andere Obdachlose können sich ermutigt fühlen, sich auch an die Polizei zu wenden, wenn ihnen etwas zustößt.“

„Obdachlose sind ihrer Umgebung schutzlos ausgeliefert“– Stephan Karrenbauer

Dieser Fall unterstreicht: Auf der Straße zu schlafen, kann lebensgefährlich sein. „Obdachlose sind ihrer Umgebung schutzlos ausgeliefert“, sagt Sozialarbeiter Karrenbauer. Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland mindestens 17 Obdachlose durch Gewalttaten ums Leben, hat die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ermittelt. In mindestens neun Fällen waren andere Wohnungslose die Täter. Seit 1989 gab es nach der Statistik in Deutschland mindestens 502 Todesfälle durch Gewalt gegen wohnungslose Menschen.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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