Krankenmobil appelliert : „Wecken Sie Obdachlose, die in der prallen Sonne eingeschlafen sind“

Das Krankenmobil der Caritas versorgt die Obdachlosen in der Stadt. Foto: JOF

Die Temperaturen steigen auf mehr als 30 Grad: Schwerstarbeit für den Körper. Obdachlose sind von der Hitze besonders betroffen. Krankenmobil-Leiterin Annette Antkowiak appelliert deshalb an die Hamburger, mit „offenen Augen“ durch die Stadt zu gehen.

Die Stadt ächzt unter der Hitze. Was für viele Hamburger einfach nur unangenehm ist, kann für andere schwere gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Obdachlose sind besonders gefährdet, denn: Sie sind der Hitze schutzlos ausgeliefert.

„Die Menschen müssen genug trinken: Mineralwasser ist optimal“, sagt Annette Antkowiak. Die Leiterin des Krankenmobils der Caritas versorgt mit ihrer rollenden Arztpraxis regelmäßig Obdachlose in der Stadt. Sie und ihre Mitarbeiter teilen neben Wasserflaschen auch Sonnencreme aus, denn: Neben Kreislaufproblemen sind Verbrennungen ein großes Problem.  „Im vergangenen Jahr hatten wir einen ganz schlimmen Fall“, sagt Annette Antkowiak, „ein Mann, der in der prallen Sonne schlief, hat Verbrennungen 3. Grades an Unterschenkeln und Füßen davongetragen.“

Hitzewelle
Wo Obdachlose jetzt kostenlos Wasser bekommen
Derzeit herrschen tropische Temperaturen in der Stadt. Menschen die auf der Straße leben, haben unter der Hitze besonders zu leiden. Wir sagen, wo sie kostenlos Trinkwasser bekommen. 

Die Leiterin des Krankenmobils der Caritas appelliert deshalb an die Hamburger, die Augen offen zu halten: „Wenn man einen schlafenden Obdachlosen in der Sonne sieht sollte man ihn aufwecken, damit er sich einen schattigen Platz suchen kann“, sagte sie. Die Gefahr schwerer Verbrennungen und von Hitzschlag sei sonst groß.

Bahnhofsmission ist vorbereitet

Bei der Bahnhofsmission ist man in diesen Tagen ebenfalls besonders aufmerksam: „Wir machen vermehrt unsere Runden und alten Ausschau nach Obdachlosen, die in der Sonne liegen. Die müssen da schnell raus“, sagt Mitarbeiterin Eva Masoumi. Viele würden die klimatisierten Räume der Bahnhofsmission nutzen, um sich von der Hitze zu erholen. „Man kann auch seine Wasserflaschen bei uns auffüllen“, so Masoumi.

Zaunhelferin Alexandra hat Getränke und Lebensmittel für Obdachlose am Gabenzaun. Foto: SIM.

Vor dem Bahnhof stehen wie jeden Wochentag die Helfer am Gabenzaun. Sie verteilen Wasser, Cola, Kaffee und belegte Brötchen. „Es ist schon mehr los“, sagt Zaunhelferin Alexandra und ihre Kollegin Petra ergänzt „manche sind durch die Hitze auch aggressiver“. Immerhin: Mit Getränken seien die Stammgäste des Gabenzauns gut versorgt.

In der Tagesaufenthaltsstätte „Alimaus“ auf St. Pauli können Obdachlose nicht nur ihre Wasserflaschen auffüllen, sondern auch duschen: Die einzige Dusche der Einrichtung ist dieser Tage begehrt. Es kommen „deutlich mehr“ Menschen, sagt Leiterin Christiane Hartkopf. „Viele sagen, dass es jetzt dringend nötig wird. Kein Wunder, so ein T-Shirt ist nach einem Tag durchgeschwitzt“, so Hartkopf.

„Wir brauchen ein ganzjähriges Schutzprogramm“

Das Problem: Es gibt viel zu wenig öffentliche Duschen in der Stadt – ganze 22 für mindestens 2000 Obdachlose hat die Initiative GoBanyo gezählt. Sie will bald einen mobilen Duschbus durch die Stadt fahren lassen. „Wir brauchen mehr öffentliche Duschen“, sagt auch Hinz&Kunzt-Chefredakteurin Birgit Müller.

Doch mit den Duschen allein ist es nicht getan: „Die Menschen brauchen eine feste Unterkunft. Je mehr der Klimawandel uns zu schaffen macht, desto mehr bedarf es eines ganzjährigen Schutzprogramms für Obdachlose“, so Birgit Müller.

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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