Während des G20-Gipfels : Obdachlose sollen doch Unterkünfte bekommen

"Wir räumen die Stadt auf, weil bald der G20-Gipfel ist" - das hat laut Peter einer der Polizisten gesagt, die ihn im April von seiner Platte vertrieben haben. Foto: BELA

Die Sozialbehörde plant nun doch, die Obdachlosen unterzubringen, die aus Sicherheitsgründen während des G20-Gipfels ihren Schlafplatz räumen müssen. Das hatten Hinz&Kunzt und Diakonie gefordert.

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Es gibt Hoffnung für die Obdachlosen, die eine Vertreibung von ihren angestammten Schlafplätzen durch die Sicherheitsvorkehrungen anlässlich des G20-Gipfels befürchten. „Diejenigen, die davon direkt betroffen sind, werden wir unterbringen“, verspricht Behördensprecher Marcel Schweitzer gegenüber Hinz&Kunzt. Das sei „selbstverständlich“.

Wie die Unterbringung konkret aussehen soll, ist allerdings noch völlig offen. Die konkreten Planungen in der Behörde sollen in den kommenden Wochen beginnen. Dazu seien Treffen mit Sozialarbeitern und weiteren Experten geplant, erklärt Schweitzer. Auch Hinz&Kunzt ist zum Gespräch in die Sozialbehörde eingeladen worden. „Wir wissen noch nicht, wie viele Obdachlose davon betroffen sein werden“, sagt Schweitzer. Erst, wenn im Juni das genaue Ausmaß der geplanten Sicherheitsbereiche bekannt sei, könnten detailliertere Angaben zu den Unterkünften gemacht werden.

Zugang zu Einrichtungen für Obdachlose soll möglich sein

Damit der Zugang zu Tagesaufenthaltsstätten und anderen Einrichtungen für Obdachlose auch während des Gipfels möglich bleibt, hat die Sozialbehörde nach Hinz&Kunzt-Informationen eine Liste mit Standorten an die für die Sicherheitsvorkehrungen zuständige Innenbehörde gesendet.

Gebt Obdachlosen sichere Unterkünfte!
Diakonie und Hinz&Kunzt fordern zum G20
Gebt Obdachlosen sichere Unterkünfte!

Bislang war von Unterkünften für die Obdachlosen, die von den Sicherheitsvorkehrungen für den Gipfel betroffen sein werden, keine Rede gewesen. Hinz&Kunzt hatte in der Mai-Ausgabe darüber berichtet, dass bereits Obdachlose mit der Begründung vertrieben worden sind, die Innenstadt werde für das Treffen der Staatschefs „aufgeräumt“. Für den Umgang mit Obdachlosen gebe es kein Konzept, räumte die für die Sicherheitsvorkehrungen zuständige Polizei ein. Daraufhin hatten Hinz&Kunzt und die Diakonie Unterkünfte für die Betroffenen gefordert.

Doch auch mit solchen Unterkünften wird es zu Problemen kommen, wenn Obdachlose von ihren angestammten Plätzen vertrieben werden sollen. Davor warnt Johan Graßhoff, Straßensozialarbeiter bei der Diakonie. „Viele Obdachlose sind physisch und psychisch nicht dazu in der Lage, ein solches Angebot anzunehmen“, sagt er im Gespräch mit Hinz&Kunzt. Sich in der Innenstadt aufhalten zu können, gebe ihren Tagesabläufen Struktur: „Die Innenstadt ist wichtig für die Obdachlosen, sie gibt ihnen Sicherheit.“

Hinz&Kunzt fordert schnelle Unterbringung aller Obdachlosen

Hinz&Kunzt begrüßt die Ankündigung der Behörde, nun doch ihre Unterbringung sicherzustellen. „Alle Menschen, die auf der Straße sind, müssen schnellstmöglich eine Unterkunft bekommen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihres angeblichen Rechtsanspruchs“, kommentiert Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. Wie die Diakonie geht Hinz&Kunzt davon aus, dass mehrere hundert Menschen im Innenstadtbereich betroffen sein könnten. Damit die Obdachlosen das Angebot auch annehmen, müsse die Aufnahme in die Unterkünfte „sehr unkompliziert und unbürokratisch geregelt“ werden, betont Karrenbauer.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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