Winternotprogramm : Kältebus-Fahrer fühlen sich gegängelt

Ronald Kelm und Michael Knuth gehören zum etwa 30-köpfigen Team des Kältebus. Foto: Mauricio Bustamante

Die ehrenamtlichen Kältebus-Fahrer sollten ihre Personalien und Informationen über Obdachlose nennen, wenn sie einen Menschen ins Winternotprogramm bringen. Der Senat sagt jetzt: Das geschieht zum Wohl der Obdachlosen.

Anzeige

Eigentlich soll das Winternotprogramm ein niedrigschwelliges und anonymes Angebot für Obdachlose sein. Gerade deswegen war die Verwunderung bei den Ehrenamtlichen vom Kältebus groß, als der Unterkunftsbetreiber fördern & wohnen bei einem Gespräch im Februar den Wunsch nach einer Übergabe von Informationen über die Obdachlosen äußerte. Nach Darstellung des Kältebus-Betreibers Alimaus sollen sogar die Personalien der Obdachlosen genannt werden, wenn sie vom Bus ins Winternotprogramm gebracht werden.

Der Senat spricht nun in einer Antwort auf eine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Franziska Rath (CDU) von gewünschten „Angaben zu Krankheiten, Schmerzleiden oder anderen persönlichen Umständen“, die für die Versorgung der Obdachlosen „von hoher Bedeutung“ seien: „Um entsprechende Hilfe leisten zu können, gleichzeitig aber das Vertrauensverhältnis der Betroffenen zu den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kältebusses nicht zu gefährden, soll bei entsprechenden Anhaltspunkten ein gemeinsames kurzes Gespräch im Zuge des Aufnahmeprozesses erfolgen.“

Doch die Kältebus-Fahrer fühlen sich gegängelt. (Update: Inzwischen hat die Alimaus bekannt gegeben, dass die Namen nicht mehr abgefragt werden.) Auch, dass sie selbst sich gegenüber dem Personal des Winternotprogramms ihre Namen angeben sollen, wenn sie einen Obdachlosen in die Notunterkunft bringen, irritiert manche Ehrenamtlichen. Sie stellen sich dann nach Hinz&Kunzt-Informationen als „Herr oder Frau Alimaus“ vor.

Hilfe für Obdachlose
„Der Kältebus ist sinnvoll und notwendig“
Nach den ersten zwei Wochen ziehen die Macher des Hamburger Kältebus ein positives Fazit: Das Projekt ist erfolgreich angelaufen. Sogar Polizei und Feuerwehr rufen den Kältebus zu Hilfe. 

Für die Frage nach Personalien gibt es keinen besonderen Anlass: In der Antwort des Senats heißt es, sie gehöre zu den „standardisierten Regelpozessen“ und diene der Sicherheit des Personals und der Obdachlosen: „Mit der konsequenten Umsetzung soll insbesondere auch den Personen, die in einer Einrichtung des WNP übernachten, deutlich gemacht werden, dass ihrem Sicherheitsbedürfnis entsprochen wird.“

Der Kältebus hat 124 Mal Obdachlose ins Winternotprogramm gebracht

Der Kältebus bringt seit Anfang Januar hilfsbedürftige Obdachlose in die Notunterkünfte des städtischen Winternotprogramms. Bis Ende Februar geschah dies 124 Mal, wie es in einer jüngst veröffentlichten Zwischenbilanz hieß: „Auch die Feuerwehr, die Polizei oder Mitarbeiter der Bahnhöfe und der DB-Sicherheit sind teilweise hörbar erleichtert, dass die Besatzung des Kältebusses sich der Menschen in Not annimmt.“ Fördern & wohnen hatte die Einrichtung des Kältebus am Jahresanfang gelobt: „Wir begrüßen den Kältebus als Angebot starken zivilgesellschaftlichen Engagements in Hamburg“, sagte eine Sprecherin damals zu Hinz&Kunzt.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.