Hotels an der Reeperbahn

In die Obdachlosigkeit geräumt?

Eine Häuserzeile an der Reeperbahn von der anderen Straßenseite aus fotografiert
Eine Häuserzeile an der Reeperbahn von der anderen Straßenseite aus fotografiert
61 Menschen lebten in diesen Hotels, um sie vor Obdachlosigkeit zu schützen – bis sie geräumt wurden. Foto: JOF

Auch vier Wochen nach der Räumung zweier Hotels durch Hamburger Behörden ist unklar, wo die dort untergebrachten Wohnungslosen heute leben. Die Stadt verweist auf den Hotelbetreiber. Doch der ist nicht zu erreichen.

Wo leben heute die 61 wohnungslosen Menschen, darunter elf Kinder, die in zwei Hotels auf der Reeperbahn untergebracht waren? Auf diese Frage geben Hamburger Behörden, die die Häuser am 22. April „wegen erheblicher Bau- und Brandschutzmängel“ geräumt haben, noch immer nur unbefriedigende Antworten. Nachdem das Bezirksamt Mitte „die konkreten Adressen aufgrund der Schutzwürdigkeit der betroffenen Personen“ Hinz&Kunzt nicht mitteilen wollte, erklärte der Senat nun auf Bürgerschaftsanfrage der CDU, der Hotelbetreiber habe gemeinsam mit der bezirklichen Fachstelle für Wohnungsnotfälle „die Personen in andere Hotels vermittelt“.

Zweifel an dieser Darstellung weckt ein Bericht der taz. Darin ist von drei Betroffenen die Rede, die eine Woche nach der Hotelräumung in die Obdachlosen-Einrichtung „Cafée mit Herz“ gekommen seien und einer Sozialarbeiterin erzählt hätten, sie würden wieder auf der Straße leben. Auf Nachfrage bestätigte die Sozialarbeiterin die Darstellung der taz und erklärte, die drei seien seitdem nicht wieder in der Hilfseinrichtung gewesen.

Hotelier nicht erreichbar

Wo genau die ehemaligen Bewohner:innen der beiden Hotels an der Reeperbahn heute leben, bleibt unklar: Der Betreiber, der die Betroffenen in andere Hotels vermittelt haben soll, war für Hinz&Kunzt – wie auch für die taz – nicht zu erreichen. Unter der Telefonnummer, die als Kontakt für die Häuser am Hoteleingang und im Internet angegeben ist, meldete sich ein Mann, der behauptete, er sei „weder Betreiber noch Eigentümer“. Der Bezirk wollte den Namen des Betreibers „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ nicht nennen.

Dass es überhaupt zur Räumung unter anderem wegen fehlender Feuermelder kam, wirft ebenfalls Fragen auf: Wurde der Zustand der Hotelsnicht kontrolliert? Zumindest eines der Hotels sei im November 2023 „im laufenden Betrieb“ besichtigt worden, teilte der Senat nun mit. Dabei seien „keine Sicherheitsmängel“ festgestellt worden. Auch später habe es „keine Hinweise z. B. durch Beschwerdelagen“ gegeben. Grundsätzlich sei von einer „ordnungsgemäßen Genehmigungslage“ ausgegangen worden.

CDU kritisiert „Organisationsversagen“

„Ein erschreckendes Maß an Organisationsversagen“ beklagt nun der sozialpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Andreas Grutzeck: „Menschen, darunter elf Kinder, werden in heruntergekommen Hotels untergebracht, deren massive Sicherheitsmängel angeblich niemand bemerkt haben will.“ Die Stadt zahle „Millionen für Hotelunterbringungen, ohne wirksame Kontrollen sicherzustellen“.

Wie viel die Behörden in diesem Fall pro Nacht und Kopf an den Hotelier überwiesen haben, wollte die Sprecherin des Bezirksamt Mitte nicht verraten: „Die Offenlegung der Beträge widerspricht überwiegenden öffentlichen Interessen.“

Artikel aus der Ausgabe:
Ausgabe 399

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Autor:in
Ulrich Jonas
Ulrich Jonas
Ulrich Jonas schreibt seit vielen Jahren für Hinz&Kunzt - seit 2022 als angestellter Redakteur.

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