Im Hamburger Haus Öjendorf dürfen alkoholkranke Bewohnerinnen und Bewohner weitertrinken. Geht das gut?
Sonntags gönnt sie sich zum Frühstück einen Piccolo. Das habe sie mit ihrem Mann auch immer so gemacht, meint Ulla F. Ansonsten höchstens mal ein Alsterwasser. Mehr nicht. Bestimmt nicht. Die 66-Jährige hat kurze graue Haare, im Gesicht viele Furchen und kaum noch Zähne, bald bekomme sie ein Gebiss, sagt sie mit verhaltenem Lächeln. „Ich habe hier viel Blödsinn gemacht, zu viel getrunken, aber damit ist es vorbei.“ Seit drei oder vier Jahren ist sie hier, genau weiß sie es nicht. Auf ihr Gedächtnis sei kein Verlass mehr, meint sie. Vor ihrem Stuhl im Café des Pflegeheims steht ein Rollator, das Gehen fällt ihr schwer, ohne Rollator traue sie sich nicht mehr los. Neben ihr sitzt Ursula S., eine dünne Frau in einem grauen Sweatshirt, das ihr um die Hüften schlackert. Die ganze Zeit schaut sie auf ihr Handy, das vor ihr auf dem Tisch liegt. „Deine Nichte ruft bestimmt gleich an“, sagt Ulla F. freundlich zu ihr. Dann erklärt sie: „Uschi wartet darauf, dass ihre Nichte sie besucht, manchmal machen sie kleine Ausflüge zusammen. Sonst hat Uschi keinen, ihre Tochter lässt sich nicht blicken.“
Wer im Haus Öjendorf eine Bleibe gefunden hat, bekommt normalerweise weni...
