Hinz&Kunzt-Interview : Grüne wollen „Winternotprogramm für alle“

Die grüne Bürgermeisterkandidatin Katharina Fegebank. Foto: Dmitrij Leltschuk

Im Winternotprogramm sollen alle ein Bett bekommen – das fordert die grüne Bürgermeisterkandidatin Katharina Fegebank im Interview. Wie auch Amtsinhaber Peter Tschentscher (SPD) lehnt sie eine ganztägige Öffnung aber ab.

Die Hamburger Grünen fordern im Bürgerschaftswahlkampf ein „Winternotprogramm für alle“ und wenden sich damit gegen die bisherige Politik von Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD), die Obdachlose vor allem aus Osteuropa von den Notunterkünften abweisen lässt, wenn sie im Herkunftsland eine Bleibe haben. Sie müssen stattdessen in einer „Wärmestube“ auf dem Fußboden schlafen. Diejenigen, die zum Winternotprogramm gingen, seien „tatsächlich in einer Notlage“, sagte die grüne Spitzenkandidatin Katharina Fegebank im Interview mit Hinz&Kunzt auf die Frage, was sie als Erste Bürgermeisterin am städtischen Erfrierungsschutz ändern würde: „Das heißt, dass man ihnen die Möglichkeit bieten muss, dort die Nacht zu verbringen, in einem Bett.“

Fegebank spricht sich in der Februar-Ausgabe des Magazins allerdings ebenso wie der amtierende Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dagegen aus, die Unterkünfte des Winternotprogramms auch tagsüber zu öffnen. Tschentscher, der die Hinz&Kunzt-Fragen nur schriftlich beantwortete, entgegnete auf die Frage nach einer ganztägigen Öffnung: „Wir haben das beste Winternotprogramm Deutschlands. Es ist am längsten offen und hat den höchsten Standard.“ Die Kombination aus einem nächtlichen Erfrierungsschutz und einem starken Hilfesystem sei „eine geeignete Nothilfe und Perspektivberatung“.

Gefragt, ob Hamburg nicht noch viel mehr Wohnungen speziell für Obdachlose bauen müsste, entgegnete Tschentscher: „Ja, wir brauchen mehr Wohnungen und müssen dabei vor allem diejenigen im Blick haben, die wenig oder gar kein Einkommen haben.“ In Zukunft sollen nach seinen Vorstellungen „bis zu 4000 Sozialwohnungen“ im Jahr gebaut werden. Bislang lag die Zielmarke des Senats bei 3000 Sozialwohnungen.

Grüne fordern eigene Notschlafstelle für junge Wohnungslose

Die Grünen gehen im Februar-Magazin in noch einem weiteren Punkt auf Distanz zur Politik der Sozialbehörde: Sie fordern eine eigene Notschlafstelle für junge Erwachsene. Bislang plant die Behörde, eine solche Einrichtung beim Pik As anzusiedeln, der Notunterkunft für erwachsene Obdachlose. „Das ans Pik As anzugliedern, halte ich aus unterschiedlichsten Gründen für nicht so schlüssig“, sagt Mareike Engels, sozialpolitische Sprecherin der grünen Bürgerschaftsfraktion, im Hinz&Kunzt-Interview. Junge Menschen, die wohnungslos werden, würden sich selbst nicht als Wohnungslose sehen, deshalb spreche sie das Pik As nicht an. „Sie brauchen einen eigenen, geschützten Raum. Und es braucht eine gute Kooperation an der Schnittstelle zwischen Wohnungslosen- und Ju­gendhilfe.“

Autor*in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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