G20-Gipfel : Einzelne Obdachlose erhalten Hilfe

Am Mittwoch mussten die Obdachlosen an der Kennedybrücke ihre Platte räumen. Foto: Jonas Füllner

Am Mittwoch musste die erste größere Gruppe Obdachloser ihre Platte an der Kennedybrücke räumen – wegen G20. Die gute Nachricht: Sie dürfen vorübergehend in einer Wohnunterkunft schlafen.

Anzeige

Seit Mittwoch darf an der Kennedybrücke wegen des G20-Gipfels niemand mehr schlafen. Zwei Tage zuvor besuchte der zuständige Bürgernahe Beamte die Obdachlosen auf ihrer Platte und übermittelte ihnen die Information.

Zwei ebenfalls anwesende Mitarbeiter vom städtischen Unterkunftsbetreiber fördern und wohnen (f&w) hatten allerdings ein Angebot parat: Vorübergehend stehen Zimmer in einer Wohnunterkunft in Bergedorf zur Verfügung. Nach Ende des G20-Gipfels können die Obdachlosen auf ihre Platte neben der Kennedybrücke zurückkehren.

Die Obdachlosen waren mit dem Angebot zufrieden. „Wir wollen ja keinen Ärger. Und ein Bett ist immer besser als eine Isomatte im Zelt“, sagt Adam. Seit Ende des Winternotprogramms Ende März lebt er an der Kennedybrücke. Dass man ihnen helfen will, ist für die Obdachlosen eine neue Erfahrung. „Um uns kümmert sich ja sonst niemand von der Stadt“, sagt 20-jährige Paddy, der am anderen Ende der Grünfläche sein Zelt aufgeschlagen hatte.

Ein Bett ist immer besser als eine Isomatte im Zelt– Adam

Die größte Sorge der Obdachlosen: In Bergedorf gibt es im Unterschied zur Innenstadt keine Tagesaufenthaltsstätten, die täglich kostenloses Essen für Bedürftige ausgeben. Doch auch hierfür präsentierte f&w-Mitarbeiterin Katrin Wollberg am Mittwoch eine Lösung, als ein Umzugsunternehmen für die Obdachlosen anrückt: „Es gibt eine Gemeinschaftsküche, und wir haben für euch extra ein Care-Paket mit vielen Hygiene- und Lebensmitteln gepackt.“ Adam schmunzelt: „Richtig gekocht haben wir zwar schon lange Zeit nicht mehr, aber das wird schon klappen.“

Geregelt ist zudem, dass die Obdachlosen am Sonntag wieder an die Kennedybrücke zurückkehren können. Gegen Mittag holt das Transportunternehmen ihr Hab und Gut in Bergedorf wieder ab. Bis dahin will f&w-Mitarbeiterin Katrin Wollberg zudem neue Zelte für die Gruppe einwerben und sich nach langfristigen Lösungen für die Obdachlosen umschauen.

Nach dem Gipfel dürfen sie zurück auf die Platte

Die Zeit sei knapp, aber einige Obdachlose aus der Gruppe hätten schließlich Anspruch auf eine Unterbringung. Nun wolle sie prüfen, ob in einer anderen Unterkunft Plätze frei werden.

G20-Gipfel
Polizei schickt Obdachlosen weg
Weil in der Innenstadt Geschäfte ihre Schaufenster verbarrikadieren, verschwinden Schlafplätze für Obdachlose – wie der von Hartmuth. Hinz&Kunzt geht davon aus, dass er kein Einzelfall bleibt.

Eine gute Lösung für die Obdachlosen an der Kennedybrücke – so wie von Hinz&Kunzt seit Wochen gefordert. Allerdings: Andere Obdachlose in der Innenstadt erhalten keine vergleichbare Hilfe. „Die Kennedybrücke ist leider nur eine Ausnahme“, kritisiert Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer. „Jetzt bewahrheitet sich, was wir befürchtet haben.“

Dabei hatte Innensenator Andy Grote noch im Mai verkündet, dass es allenfalls für Obdachlose Einschränkungen geben, die in den Sicherheitszonen um das Messegelände, und die Elbphilharmonie oder „an der Außenfassade eines Hotels, das besonders geschützt ist, weil darin Gipfelteilnehmer untergebracht sind“ nächtigen.

„Die Regel ist wohl eher, dass die Leute wegmüssen“, sagt Stephan Karrenbauer. „Manchmal auch nur, weil Schaufenster verbarrikadiert werden und dadurch trockene Schlafplätze für Obdachlose in der City wegfallen.“

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.