Wohnen im Alter : Droht „graue Wohnungsnot“?

Wohnungsnot wird in Zukunft auch viele Rentner betreffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts. Der Wohnungsmarkt ist demnach nicht auf alternde Gesellschaft und steigende Altersarmut vorbereitet. 

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Für alte Menschen könnte in Zukunft der Wohnraum knapp werden, wenn nicht gehandelt wird.

Die Deutschen werden im Durchschnitt immer älter und die Alten immer ärmer. Dass diese Entwicklung zu Problemen auch auf dem Wohnungsmarkt führen wird, hat jetzt eine Studie des Pestel-Instituts prognostiziert. Demnach fehlen in Deutschland bereits in den kommenden acht Jahren 2,5 Millionen rentnergerechte Wohnungen. Insbesondere barrierefreie und kleine Wohnungen würden fehlen, so das Ergebnis der Studie. Das Institut befürchtet deswegen eine „graue Wohnungsnot“.

Die könne vor Allem für Pflegebedürftige zum Problem werden, sagt Studienleiter Matthias Günther: „Wer als älterer Mensch auf Pflege angewiesen ist und keine altersgerecht ausgestattete Wohnung hat, ist gezwungen, schon allein deshalb ins Pflegeheim zu gehen, weil eine ambulante Betreuung in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist.“ Mit drastischen Folgen für die Pflegeversicherungen: Die stationäre Pflege kostet pro Jahr rund 7200 Euro mehr als eine ambulante Betreuung. Die Pflege könnte 2035 25 Milliarden teurer sein als heute, so das Ergebnis der Forscher.

Die Forscher warnen auch vor einem Mangel kleiner Wohnungen. Viele Rentner werden demnach künftig ihre größeren Wohnungen verlassen müssen, weil bei vielen die Rente nicht mehr für die Miete reicht. Auch wer sein Leben lang Vollzeit arbeitet, wird mitunter von seiner Pension kaum leben: Das Bundesministerium für Arbeit rechnet damit, dass im Jahr 2030 die Rente von 36 Prozent der jetzt Vollzeitbeschäftigten nur auf Grundsicherungsniveau liegen wird. Das Pestel-Institut befürchtet, das der Anteil von Alten, die zusätzlich zu ihrer Rente Sozialleistungen beziehen müssen, innerhalb der kommenden 20 Jahre auf über 25 Prozent ansteigt. Derzeit stocken rund 3 Prozent ihre Rente auf. Deshalb sei es notwendig, so Studienleiter Günther, älteren Menschen kleinere und damit bezahlbarere Wohnungen anzubieten.

Mit 540 Millionen Euro jährlich soll der Staat in den kommenden acht Jahren Bau und Sanierung altersgerechter Wohnungen fördern, fordert das Verbändebündnis „Wohnen 65plus“, das die Studie in Auftrag gegeben hat. Dahinter verbirgt sich neben dem Deutschen Mieterbund und dem Sozialverband Deutschland auch Interessenverbände der Bauwirtschaft wie der Bund deutscher Baumeister. Fazit der Studie: Es ist noch nicht zu spät, um das Schlimmste zu verhindern. Heutiges Handeln könne langfristig dazu beitragen, dass Wohnen auch für Rentner bezahlbar bleibt.

Text: Benjamin Laufer
Foto: ActionPress

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