Britische Mutante  : Corona-Ausbruch in Düsseldorfer Obdachlosenunterkunft 

Nach einem Corona-Ausbruch in einer Obdachlosenunterkunft ließ die Stadt Düsseldorf am Wochenende insgesamt 176 Obdachlose testen. Das Ergebnis: Acht weitere Obdachlose hatten sich infiziert. Foto: Actionpress / United Archives / Werner Otto

Die britische Corona-Mutation hat eine Notunterkunft in Düsseldorf erreicht. Während die Stadt Düsseldorf jetzt allen Obdachlosen ein Einzelzimmer bietet, hält Hamburg weiterhin an Großunterkünften fest.

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In Düsseldorf wurde am Wochenende erstmals eine Infektion mit der britischen Mutation des Coronavirus in einer Gemeinschaftsunterkunft für Obdachlose festgestellt. Acht Kontaktpersonen des Bewohners waren ebenfalls infiziert, eine Person liegt inzwischen sogar im Krankenhaus.

Düsseldorf mietet neun Hotels für Obdachlose an

In Düsseldorf wurden bislang bis zu 150 Obdachlose in solchen Wohnunterkünften mit Mehrbettzimmern untergebracht. Darüber hinaus setzt die schwarz-grün regierte Stadt bereits seit Beginn der Coronapandemie weitgehend auf Einzelunterbringung: 250 Obdachlose leben in acht von der Stadt angemieteten Hotels rund um den Hauptbahnhof. Nach dem Corona-Ausbruch wurde jetzt die betroffene Unterkunft umgehend geräumt, die Menschen in ein weiteres Hotel begleitet und für die wenigen verbliebenden Unterkünfte besteht die Regel, dass Zimmer nur noch einzeln belegt werden.

In Hamburg überlässt die Stadt die Unterbringung in Hotels weiterhin privaten Initiativen. Alleine Diakonie und Hinz&Kunzt konnten inzwischen 120 Menschen von der Straße holen. „Die Unterbringung funktioniert gut“, sagt Landespastor Dirk Ahrens, Leiter des Diakonischen Werks Hamburg. „Wir sehen, wie die Menschen im Hotel zur Ruhe kommen und sich stabilisieren.“ Eine Beobachtung, die Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer nur unterstreichen kann: „Dieser eigene Schutzraum ist ungeheuer wichtig. Die Hotelgäste blühen regelrecht auf, sie schmieden wieder Pläne und denken an die Zukunft.“

In Hamburg schlafen rund 750 Obdachlose in drei Notschlafstätten

In den drei Großunterkünften des Winternotprogramms der Stadt wiederum haben die Obdachlosen hingegen keinen eigenen, sicheren Raum. Aktuell schlafen im Winternotprogramm weitere rund 750 Obdachlose. Rund 100 Menschen mehr als noch vor einer Woche. In zwei der drei Unterkünfte teilen sich die Gäste dabei ein Mehrbettzimmer mit mindestens zwei oder drei anderen Obdachlosen.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) räumt am Dienstagabend im Sozialausschuss der Bürgerschaft ein, dass die Stadt mit dem Winternotprogramm nicht alle Obdachlosen erreiche. „Deswegen ist es auch gut und wichtig, dass es zusätzliche Angebote in der Stadt gibt und dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Leonhard. Dass die Stadt ein eigenes Hotelprojekt startet, lehnt sie jedoch weiter ab: „Wir als Stadt könnten tatsächlich diese hohe Zahl von Menschen auch nicht so ohne Weiteres dezentral versorgen”, sagte Leonhard.

Medizinische und pflegerische Versorgung der Obdachlosen und Sozialberatung könne sie nur in den Gemeinschaftsunterkünften gewährleisten – für die Senatorin eine Frage der Schwerpunktsetzung. „Es geht nicht um Hilfe erster und zweiter Klasse”, sagte sie weiter. „Trotzdem ist die Hotelunterbringung eine sehr, sehr gute Ergänzung, gerade in Pandemiezeiten.”

Mehrheit der Deutschen für Hotelunterbringung

Dass Obdachlose jetzt in leerstehenden Hotels untergebracht werden sollten, befürwortet inzwischen sogar eine deutliche Mehrheit der Deutschen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Wochenzeitung „Die Zeit“ sprechen sich 64 Prozent der Bundesbürger*innen dafür aus, dass Kommunen Obdachlose während der Coronapandemie entsprechend unterbringen. “Das ist absolut zu begrüßen, wenn es bei den Hoteliers diese Hilfsbereitschaft gibt”, sagte Ingrid Hartges, die Chefin des Branchenverbands Dehoga, der Zeit.

Autor:in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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