Obdachlose am Rübenkamp : Bezirk Nord rechtfertigt Entsorgung von Kleidung und Matratzen

Die Obdachlosen Cristi (links) und Petre vor ihrem ehemaligen Schlafplatz. Foto: Andrei Schwartz.

Nach der Räumung am Rübenkamp rechtfertigt der Bezirk nun das Vorgehen. Kleidungsstücke und Matratzen der Obdachlosen seien entsorgt worden, weil die Aufbewahrung zu teuer und aufwändig gewesen wäre.

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Jacken, Hosen, Mützen, Unterwäsche – alles weg. Auch die Matratzen nahm die Stadtreinigung am 10. Oktober auf Anordnung des Bezirksamts Nord mit und entsorgte sie – in Abwesenheit der obdachlosen Besitzer. „Wir haben gar nichts mehr anzuziehen, nur noch das, was wir gerade anhaben“, sagte der Obdachlose Cristi (Name geändert) nach der Räumung der Platte unter der S-Bahn-Brücke am Rübenkamp zu Hinz&Kunzt. Er und seine Freunde hatten nach der Vertreibung durch den Bezirk unter einer anderen Brücke Schutz gesucht.

Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD) hat die Entsorgung ihres Hab und Guts nun in einer Antwort auf eine Anfrage der Piraten im Bezirksparlament gerechtfertigt. „Sichergestellte Sachen“ würden vom Bezirk entsorgt, wenn die Aufbewahrung „mit unverhältnismäßig großen Kosten oder Schwierigkeiten“ verbunden sei: „Dies ist bei Matratzen und losen Kleidungssammlungen der Fall.“ Personaldokumente oder Wertsachen seien nicht darunter gewesen.

Rübenkamp
Bezirk Nord entsorgt Habseligkeiten von Obdachlosen
Weil Schlafen unter der Brücke gegen die Grünanlagenverordnung verstoße, räumte das Bezirksamt Nord eine Platte am Rübenkamp. Die Obdachlosen haben nicht nur ihren Schlafplatz verloren: Auch ihr Hab und Gut ließ der Bezirk entsorgen.

Piraten kritisieren das Vorgehen des Bezirks

Die Piratenpartei hatte nach dem Bericht von Hinz&Kunzt über die Räumung eine Anfrage beim Bezirk gestellt und kritisiert das Vorgehen nun. „Das Bezirksamt kommuniziert entweder nur über die Polizei oder unpersönliche Schreiben mit den Obdachlosen“, sagt Piraten-Sprecherin Dorle Olszewski. „Die Verwaltung betreibt Vertreibungspolitik ohne sich für die Probleme der Menschen zu interessieren, oder das Gespräch zu suchen, um ihnen zu helfen.“

Die Antwort von Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD) offenbart auch, mit welchem Aufwand sein Amt gegen Obdachlose unter der S-Bahn-Brücke an der Hebrandstraße vorgegangen ist. Allein im Jahr 2016 rückten Bezirksamtsmitarbeiter 18 Mal zu Kontrollen unter dieser Brücke aus. 2017 waren es bislang 14 Kontrollen. Es habe Beschwerden über die Obdachlosen dort gegeben.

Wie viele, geht aus dem Schreiben nicht hervor. Die Anzahl der Beschwerden über Obdachlose im gesamten Bezirk ist demnach von 189 im Jahr 2016 auf bislang 88 in diesem Jahr gesunken.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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