Mieten in Hamburg : „Atempause“ auf dem Wohnungsmarkt – dank Corona

Mehr als 6000 Wohnungsanzeigen analysierten die Schüler*innen des Gymnasiums Ohmoor zwischen Februar und März 2021 für ihre Wohnungsmarktstudie. Foto: Actionpress / Frank Peters

Ist die Mietpreisexplosion in Hamburg endlich gestoppt? Eine neue Studie des Gymnasiums Ohmoor zeigt, das Angebotsmieten inzwischen sogar leicht sinken. Mieterverein spricht von „Atempause“.

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Auch wenn die Mieten in Hamburg laut einer aktuellen Untersuchung zuletzt sogar leicht gesunken sind: Nach wie vor müssen Wohnungssuchende in der Hansestadt tief in die Tasche greifen. Die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter für Wohnungsannoncen lag in diesem Frühjahr in Hamburg bei 13,40 Euro. Das geht aus einer Studie von Schüler*innen des Gymnasiums Ohmoor hervor.

Seit 35 Jahren analysieren Schüler*innen der jeweiligen neunten Stufe in einem Geografiekurs den Wohnungsmarkt. Rückblickend wird deutlich: Zwischen 2012 und 2018 schoss der Quadratmeterpreis von durchschnittlich 11,34 Euro auf 13,24 Euro in die Höhe. Seitdem stagnieren die Preise.

Schülerstudie
Mieten in Hamburg steigen erneut
Weil es in Hamburg keinen wirksamen Mietendeckel gibt, steigen die Preise weiter: Um 1,6 Prozent sind neu vermietete Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden. Das haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Ohmoor errechnet.

Die Angebotsmieten im Jahr 2021 lagen sogar durchschnittlich um fünf Cent unter den Preisen des Vorjahrs. „Die aktuelle Atempause für Hamburgs Mieterhaushalte dürfte überwiegend auf die Coronapandemie und das schwindende Zahlungsvermögen der Wohnungsinteressenten zurückzuführen sein“, vermutet Siegmund Chychla, Vorsitzender des Mieterverein zu Hamburg. Ein Grund für Entwarnung sei das nicht. Laut Mieterverein fehlen in Hamburg mehr als 30.000 Sozialwohnungen. „Wir fordern deshalb, dass der Senat seine Bemühungen im Bündnis für das Wohnen verstärkt und an dem jährlichen Neubau von mindestens 10.000 neuen Wohnungen festhält“, sagt Chychla. „Dabei muss aber der Anteil von geförderten Wohnungen auf mehr als 50 Prozent erhöht werden.“

Mietpreise steigen nur im Umland

Der Quadratmeterpreis für eine geförderte Sozialwohnung beträgt in Hamburg aktuell 6,60 Euro. Auf dem freien Wohnungsmarkt hingegen werden laut der Analyse der Schüler*innen die meisten Wohnungen wiederum für einen Quadratmeterpreis von 9 bis 16 Euro angeboten. Günstige Wohnungen werden immer mehr zur Mangelware. Familien, die sich Hamburg nicht mehr leisten können, würden daher ins Umland ziehen, sagt Chychla. Dort wiederum zogen laut Studie die Preise zuletzt stärker an, sie liegen mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von knapp zehn Euro allerdings noch deutlich unter den Angeboten im Stadtzentrum.

Autor*in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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