Auf der Veddel drohten einer alleinerziehenden Mutter und ihrem Sohn der Rauswurf aus der Wohnung. Nachdem sich dagegen Protest regte, lenkt der Vermieter offenbar ein.
Über der Wilhelmsburger Straße unweit der S-Bahn-Station Veddel liegen am Freitagvormittag graue Wolken. An einer Häuserecke haben sich rund 70 Protestierende versammelt. Aus einer Musikbox laufen „Ton Steine Scherben“ und Indie-Rock, es gibt Kaffee und Tee aus Pumpkannen und auf einem Banner, das zwei Protestierende mit Klebeband an der Hauswand befestigen, steht in fetten Lettern: „Gerkens & Blunck – Jetzt gibt’s Stunk!!“
Gerkens & Blunck ist der Name der hier ansässigen Vermögensverwaltung, die eigenen Angaben zufolge seit 1995 einen „umfangreichen Immobilienbestand in Hamburg und umliegenden Städten teilweise unkonventionell, aber professionell“ verwaltet. Anstoß des von der Initiative „Wilhelmsburg Solidarisch“ getragenen Protests: Nach dem Auszug des Hauptmieters einer von Gerkens & Blunck verwalteten Wohnung habe die ebenfalls dort lebende Untermieterin, eine alleinerziehende Mutter mit einjährigem Sohn, die Wohnung übernehmen wollen. Doch der Vermieter stelle sich quer – und schon Ende Oktober drohe die junge Mutter mit ihrem Sohn auf der Straße zu stehen, so die Initiative. Obwohl es keine rechtliche Verpflichtung gibt, Untermietende als Hauptmietende zu akzeptieren, appellieren die Protestierenden an das soziale Gewissen des Vermieters.
„Leichtfertig wird eine alleinerziehende Mutter der Gefahr der Wohnungslosigkeit ausgesetzt“, fasst ein Sprecher der Initiative die Sorgen in einem Redebeitrag zusammen: „Wir wollen nicht, dass Valeria und ihr Sohn ihre Wohnung verlieren.“ Auch die Betroffene ist sichtlich bewegt beim Protest dabei: „Aufregend ist das“, sagt die junge Frau: „Es fühlt sich gut an, dass so viele Menschen hier sind.“ Freund:innen und Nachbar:innen seien gekommen, sagt sie und zeigt auf mehrere Anwesende. Andere Protestierende kenne sie nicht – freue sich aber nicht minder über deren Unterstützung.
Doch kein Stunk?

Die Protestierenden klatschen derweil im Takt und skandieren: „Mietvertrag, Mietvertrag“. Auf einem DIN-A4-Blatt haben sie ein „Armutszeugnis“ ausgestellt, das sie dem Vermieter überreichen wollen, wenn der nicht einlenkt. Auf Hinz&Kunzt-Anfragen hat dieser bislang nicht reagiert.
Inzwischen gibt es aber Hoffnung, dass Gerkens & Blunck den Empfang des Armutszeugnisses abwenden wird. Am Telefon berichtet die Untermieterin am Mittwoch von einem Treffen, das mit dem Vermieter stattgefunden habe. Zumindest bis Jahresende könne sie in der Wohnung bleiben, habe man ihr dort versichert. Ab Januar bekomme sie dann einen Mietvertrag für ihre bisherige oder eine andere Wohnung im Bestand des Unternehmens. Die Mutter ist hörbar erleichtert: „Jetzt kann ich endlich durchatmen.“

