Für sie gilt die Mietpreisbremse nicht: Jede fünfte Wohnung in Hamburg wird inzwischen möbliert oder befristet angeboten. „Nicht grundsätzlich schlecht“ findet das die zuständige Senatorin.
Vor allem in beliebten zentrumsnahen Stadtteilen Hamburgs werden immer mehr möblierte oder befristet vermietete Wohnungen angeboten – und unterliegen so faktisch nicht der Mietpreisbremse. Laut der neuen Studie „Flexibles Wohnen in Hamburg“, die die Stadtentwicklungsbehörde heute veröffentlicht hat, stieg der Anteil möblierter oder befristet vermieteter Wohnungen an der Gesamtzahl der im Jahr 2023 inserierten Angebote in Eimsbüttel auf 29 Prozent, in St. Pauli auf 27 Prozent und in Rotherbaum auf 25 Prozent. 2014 lag der Anteil in allen drei Stadtteilen noch unter 5 Prozent.
Auf die gesamte Stadt bezogen wuchs der Anteil auf Immobilienportalen innerhalb von zehn Jahren von 3,5 Prozent (2014) auf 17,9 Prozent (2023). Trotzdem spielten „flexible Wohnformen“ im Verhältnis zum Gesamtmarkt nur eine untergeordnete Rolle, resümiert die Studie – in Eimsbüttel etwa mit einem Anteil von nur 1,2 Prozent an allen bestehenden Wohnungen.

Eine Erklärung für die auf den ersten Blick widersprüchlichen Zahlen sei, dass städtische Wohnungsunternehmen und Baugenossenschaften ihre Wohnungen in der Regel nicht mehr im Internet inserieren würden, „sodass klassische Mietangebote in ihrer Gesamtheit nicht sichtbar werden“.
Die Studie des Hamburger Forschungsunternehmens „FUB IGES Wohnen+Immobilien+Umwelt“ zeige, dass möblierte und temporäre Wohnangebote „nicht grundsätzlich schlecht sind“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD). Allerdings werde die Mietpreisbremse hier bislang mit „teils sehr hohen Mieten“ umgangen. Deshalb unterstütze der Senat die Pläne von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD), möbliertes Wohnen und Kurzzeitvermietungen stärker zu regulieren.

Eine aktuelle Auswertung des Instituts für Wohnen und Umwelt im Auftrag des Bundesbauministeriums zeigt, dass die Mieten bei möblierten Zeitmietwohnungen in Großstädten wie Hamburg inzwischen bei über 30 Euro den Quadratmeter liegen.
Rolf Bosse, Chef des Hamburger Mietervereins, bezweifelt, dass das wachsende Angebot sogenannter flexibler Wohnangebote Ergebnis einer steigenden Nachfrage ist: „In den allermeisten Fällen drängen Vermieter den Mietern Möbel auf.“
