Statt bloßen Zahlen beobachtet die Diakonie den Ablauf der Abschiebungen vom Hamburger Flughafen. Ein neuer Bericht bemängelt den Umgang mit kranken Menschen.
Die Diakonie rückt bei ihrem neuen Jahresbericht der Abschiebebeobachtung am Hamburger Flughafen den Umgang mit besonders schutzbedürftigen und kranken Menschen in den Mittelpunkt. Die von der Abschiebebeobachterin Merle Abel dokumentierten Fälle zeigten, dass ein Teil der 1093 Abschiebungen im Jahr 2025 „aus menschen- und kinderrechtlicher Perspektive problematisch“ sei, heißt es in einer Mitteilung.
Pflegebedürftige, Alte und Kranke würden allein abgeschoben, Menschen aus Schutzräumen gerissen, Familien getrennt. „Besonders berührt mich die Abschiebung von schwer kranken und pflegebedürftigen Menschen“, sagt die Abschiebebeobachterin Merle Abel. „Oft frage ich mich: Wer kann sich im Zielland um sie kümmern?“

Ihr Bericht dokumentiert zahlreiche Fälle, auch von psychisch kranken Menschen, für die eine Abschiebung noch belastender ist als ohnehin. So wie den eines 31-Jährige, der an Schizophrenie erkrankt ist, gefesselt und eingekotet zum Flughafen gebracht wird und bei der Luftsicherheitskontrolle einen epileptischen Anfall erleidet – und dennoch nach Armenien abgeschoben wird. Oder den einer Frau, die an Depressionen und Angstzuständen leidet aus einer laufenden Behandlung in einer Klinik heraus abgeholt wurde.
Merle Abel hat im Rahmen eines von der Innenbehörde finanzierten Projekts 158 Abschiebungen beobachtet. 86 davon hielt sie für so problematisch, dass sie sie im sogenannten Flughafenforum mit der Bundespolizei und den Ausländerbehörden besprochen hat. „Die Frage darf nicht lauten, wie viele Abschiebungen vollzogen werden, sondern wie wir verantwortungsvoll mit den Menschen umgehen, die hier leben, und wer besonderen Schutz braucht“, sagt der Leiter des Arbeitsbereichs Migration in der Hamburger Diakonie, Haiko Hörnicke.
