Er ist 66 Jahre alt, obdachlos und krank. Das Beispiel von Sasho zeigt, wie schwer sich Hamburg mit der Gesundheitsversorgung von Obdachlosen tut.
Kein Notfall?
Anfang Oktober 2022 meldet sich Ronald Kelm bei Hinz&Kunzt. Der 61-Jährige hat das Gesundheitsmobil gegründet und versorgt mit anderen Medizinprofis ehrenamtlich Obdachlose. Kelm wirkt aufgebracht, redet schnell. So etwas habe er noch nie gesehen: „Wir haben gerade einen Mann behandelt, der einen Leistenbruch im Hodensack hat: Dem sind die inneren Organe und der Darm zwischen die Beine gerutscht. Das muss dringend operiert werden“, sagt Kelm. Das ProÂblem: „Weil das nicht als Notfall gilt, nimmt ihn kein Rettungswagen mit.“
Wir treffen den Mann. Sasho, 66 Jahre alt, Bulgare. Früher hat er als Fensterbauer in seiner Heimat und in Tschechien gearbeitet, erfahren wir mithilfe eines Übersetzers. Im Juli 2022 sei er in Hamburg gestrandet, mache seitdem Platte vorm Hauptbahnhof. Selbst mit Kleidung ist die bis zur Kniekehle hängende, sackÂartige Beule, die vom Hodenbruch herrührt, nicht zu übersehen. Das Gesundheitsmobil ist nicht Sashos erster Kontakt mit dem Hamburger Gesundheitssystem. „Er wurde vorher schon in einem Krankenhaus untersucht, aber wieder entlassen“, berichtet Kelm. „Im Arztbrief stand, dass seine Verletzung kein Notfall ist und die Kostenfrage geklärt werden muss.“ Doch Sasho trägt keine Ausweispapiere bei sich. Schlechte Voraussetzungen für eine Behandlung. Schon 2009 hat die Diakonie den schwierigen Zugang zum Krankenversicherungsschutz „als Kernproblem“ osteuropäischer EU-Zugewanderter in Hamburg identifiziert. Sasho ist krank, aber es geht (noch) nicht um Leben und Tod. Wie hilft Hamburg Menschen wie ihm?
Vier Schwerpunktpraxen – drei von F & W, eine von der Caritas â€...
