Vom Künztler zum Künstler

Konstantin Kliesch erfüllt sich einen Traum: Der begeisterte Maler verkaufte lange Zeit Hinz&Kunzt, jetzt stellt er zum ersten Mal seine Bilder aus.

(aus Hinz&Kunzt 215/Januar 2011)

Konstantin steht vorm Baum der Erkenntnis und lächelt. Es ist sein Baum, groß und mächtig hat er ihn auf Leinwand gepinselt, an einem der Äste baumelt die Verführung zur Sünde: ein knallroter Apfel. Nur Adam und Eva fehlen – ganz bewusst: „Bei mir ist es die Erde, die ihren gierigen Schlund aufreißt“, sagt Konstantin und zeigt auf die betreffende Stelle im Bild. „So behält die Natur die Erkenntnis letztlich für sich.“

„Es geht bergauf“, erzählt Konstantin Kliesch, „das gibt mir Power.“
„Es geht bergauf“, erzählt Konstantin Kliesch, „das gibt mir Power.“

Konstantin Kliesch liebt die Natur, sorgt sich um sie, malt sie. Seine Bilder tragen Titel wie „Kraniche im Winter“, oder schlicht „Gewitter“. Ruhig, fast schüchtern erklärt der ehemalige Hinz&Kunzt-Verkäufer seine Werke. Zehn davon hängen von Ende Januar bis Ende Februar im Hauptgebäude von fördern und wohnen in Hammerbrook.
„Damit wird ein Traum für mich wahr“, sagt Konstantin, der sich als „Künstler durch und durch“ bezeichnet. Schon als Kind malte der 36-Jährige gern, seine Mutter ermutigte ihn, kaufte massenhaft Papier, Stifte, Farben. Für Konstantin bedeutete die Malerei auch eine Flucht aus dem biederen Alltag: Er wuchs in den schicken Elbvororten auf,  „alles war so glatt, die Leute arrogant“. Konstantin wollte etwas anderes, neue Lebensformen ausprobieren, Freiheit und Grenzenlosigkeit spüren: „Karriere interessierte mich kein bisschen.“ Nach dem Realschulabschluss machte Konstantin ein Praktikum bei Greenpeace, parallel besuchte er die Fachschule für Grafik und Design. Er zog zu einer bunt gemischten Gruppe, die in der Schanze ein Haus besetzt hielt. „Das war nun wirklich alternativ“, sagt Konstantin und grinst. „Von Punks bis Rocker war alles dabei.“ Er selber galt als ruhiger: „Die anderen waren die Rebellen, ich war der Maler. Trotzdem ließ ich es viel zu doll krachen.“ Konstantin wurde drogensüchtig, erkrankte psychisch, „mit Mitte 20 war ich am Ende“.
Bei seiner Mutter, die mittlerweile im Rheinland lebte – die Eltern hatten sich getrennt – rappelte er sich wieder etwas auf, kehrte 2007 aber zurück nach Hamburg: „Das ist eben meine Heimat.“ Er kam beim Winternotprogramm in der Sportallee unter, später in der Unterkunft Hornkamp.
Gleichzeitig fand er als Hinz&Kunzt-Verkäufer den Weg „zurück ins reale Leben“, wie Konstantin sagt. „Ich hatte jetzt eine feste Aufgabe, musste Verantwortung für mich übernehmen.“ Er begann wieder zu malen und gründete mit anderen Bewohnern seiner Unterkunft die Theatergruppe „Hornköppe“. Clean ist Konstantin seit fast anderthalb Jahren, seit vergangenem Sommer hat er außerdem einen Minijob als Raumausstatter. „Es geht bergauf“, freut Konstantin sich, „das gibt mir unheimlich viel Power.“ Genau wie seine Freundin Verena, die ihn bei seiner Malerei – auch passiv – unterstützt: „Von ihrer Wohnung aus habe ich einen perfekten Blick auf die Elbe und den Hafen – wo könnte ich schönere Motive finden?“

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