Zum Jahresende : Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

#kalterAsphalt
Der herzkranke Dieter (links) hatte Glück. Er erhielt neben Hinz&Künztler Ralf einen Platz in der Kirchenkate in Volksdorf. Foto: Mauricio Bustamante

Seit Ende Oktober begleiten wir Obdachlose durch den Winter. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Krzysztof hatte Pech und konnte ein Jobangebot leider nicht annehmen. Besser lief es für Joachim und Dieter. Die beiden sind weg von der Straße.

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Joachim, der noch im Oktober „Platte“ in der Innenstadt machte, hat eine Wohnung erhalten. Der herzkranke Dieter wiederum lebt seit einigen Wochen in einer Kirchenkate in Volksdorf. Wie es dazu kam und wie es den beiden jetzt geht, lesen sie ab dem 30. Dezember in der neuen Hinz&Kunzt-Ausgabe.

Aber nicht alle hatten so viel Glück wie Joachim und Dieter. Die anderen leben weiterhin in Wohncontainern oder suchen Abend für Abend Schutz im Winternotprogramm. Bonnie und Clyde sind, obwohl sie jeden Morgen wieder raus in die Kälte müssen, trotzdem zufrieden mit ihrem Platz in der Notunterkunft in der Münzstraße. Ein paar hundert Meter weiter verbringen Michal und Marek die Nächte im Erfrierungsschutz am Baumwall. Tagsüber haben sie keine Bleibe. An besonders kalten Tagen besuchen sie deswegen ihre polnischen Freunde Krzysztof und „Papa“ in Altona. Die beiden haben einen der wenigen Wohncontainer für Obdachlose erhalten und leben jetzt bis Ende März auf dem Gelände einer Kirchengemeinde.

Kalter Asphalt

Obdachlosigkeit ist schon im Sommer echt hart – im Winter wird es richtig gefährlich. Wir begleiten einige Obdachlose durch die kalte Jahreszeit. Dieter wollte nie eine Wohnung, jetzt macht ihn die Straße krank. Bonnie und Clyde waren in ihrer Wohnung überfordert, jetzt finden sie vielleicht nicht mal einen Container. Und Marek, Krzysztof und „Papa“ ziehen mit ihrem Zelt von einem Platz zum anderen, weil sie überall vertrieben werden. Unsere Reihe beginnt im Oktober – bevor das Winternotprogramm startet. Werden Sie dort alle einen Platz bekommen? Und wie geht es dann mit ihnen weiter? Wir bleiben dran.

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Für Krzysztof verlief der Dezember zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Mit Hilfe seiner Sozialarbeiterin erstritt er sich seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. Dann trudelte auch noch ein Jobangebot ein. Alles perfekt? Von wegen. Der 50-Jährige brach sich bei einem Unfall die Hand und muss jetzt wieder ganz von vorne anfangen. Ein bitterer Rückschlag. Aber als wir Krzysztof bei der Hinz&Kunzt-Weihnachtsfeier in der Fischauktionshalle wiedertrafen, konnte der Pole schon wieder lachen. „Wird schon wieder“, lautet sein Motto.

Auch Kim und Stefan sind richtig gut drauf. Nach Monaten auf der Straße haben sie sich im Container gut erholt. Stefan ist voller Tatendrang und redet ununterbrochen von Fußball. Am liebsten würde er sich im Amateursport ein wenig Geld dazuverdienen. Deswegen sucht er nach einem Club, der ihn zum Probetraining einlädt. Er hat also wieder Ziele. Das ist gut so. Denn noch ist völlig unklar, wie es im Frühjahr nach Ende des Winternotprogramms weitergeht. Kim hat zwar jetzt Kontakt zu einem Sozialarbeiter aufgenommen. Mit dessen Hilfe will sie sich endlich um ihr Arbeitslosengeld und ihre Krankenversicherung kümmern. Aber es wird kein leichtes Unterfangen. Trotzdem ist sie zuversichtlich, dass 2017 wieder alles besser wird.

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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