Neuer Mietenspiegel : Wirklich günstige Wohnungen „absolute Mangelware“

Die Mieten in Hamburg steigen immer weiter. Foto: Actionpress / United Archives GmbH

Die Mieten in Hamburg steigen weiter – allerdings etwas langsamer als bisher. Das zeigt der neue Hamburger Mietenspiegel. Ein Mieterverein warnt nun erneut vor einer „verhängnisvollen Mietpreisspirale“.

Jeden Freitag informieren wir Sie per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung über den Link in der Fußzeile unserer E-Mails. Infos zum Datenschutz.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Die Mieten steigen in Hamburg endlich langsamer! „Das ist eine gute Nachricht für alle Hamburgerinnen und Hamburger und ist im bundesweiten Städtevergleich ein sehr guter Wert“, freute sich Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) anlässlich der Vorstellung des neuen Hamburger Mietenspiegels am Dienstag. Der Grund zur Freude: Von April 2017 bis April 2019 stiegen die Mieten in Hamburg durchschnittlich um 2,6 Prozent oder 22 Cent pro Quadratmeter.

Das ist zwar weniger, als die allgemeine Preisentwicklung, die im gleichen Zeitraum um 3,3 Prozentpunkte zulegte – aber es bleibt dennoch eine Steigerung, die die Lage auf dem Wohnungsmarkt noch weiter verschärft hat.

Fast keine Wohnungen mehr für Menschen in Wohnungsnot

Wirklich günstige Mieten würden in Hamburg „zur absoluten Mangelware“, beklagen etwa die Macher der Kampagne #einfachwohnen anlässlich des neuen Mietenspiegels und verweisen auf einen Anstieg um teilweise mehr als 20 Prozent bei den Mieten von bislang günstigen Nachkriegsbauten. Vordringlich Wohnungssuchende, also zum Beispiel Wohnungslose, würden dadurch in Konkurrenz mit anderen Mietern geraten – immerhin hätte jeder zweite Hamburger Anspruch auf eine Sozialwohnung. „Der Senat muss auf die Mietpreisentwicklungen reagieren und Menschen in Wohnungsnot gezielt helfen“, fordert deshalb Diakonie-Chef Dirk Ahrens, Sprecher der Kampagne und Hinz&Kunzt-Herausgeber.

„Die Mieten bei Neuvermietungen sind für viele Menschen einfach nicht mehr bezahlbar.“– Olaf Duge, Grüne

Das bisherige Wohnungsbau-Programm des Senats reiche nicht aus, kritisiert Ahrens. Vielmehr müsste künftig jede zweite Neubauwohnung eine Sozialwohnung sein.

Und auch aus den Reihen der Grünen, die gemeinsam mit der SPD den Senat stellen, hört man kritische Töne über die eigene Wohnungspolitik. „Der aktuelle Mietenspiegel ist kein Grund sich auszuruhen, sondern ein Anlass, noch eine Schippe draufzulegen“, sagte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion, Olaf Duge. „Die Mieten bei Neuvermietungen sind nach wie vor mit 17 Euro bis 25 Euro Nettokaltmiete für viele Menschen einfach nicht mehr bezahlbar. Das muss sich in Zukunft ändern.“

Verein warnt vor „verhängnisvoller Mietpreisspirale“

Ähnlich klingt die Bewertung von Siegmund Chychla, Vorsitzender des Hamburger Mietervereins. „Das bisherige Vorgehen des Senats konnte offenbar dazu führen, dass der Mietenanstieg sich verlangsamt hat. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Entwarnung“, sagte Chychla.

Mieterhöhungen überprüfen

Der Mieterverein bietet auf seiner Homepage einen Online-Check an, mit dem Mieter eine Mieterhöhung überprüfen lassen können. Eine telefonische Kurzberatung bietet Mieter helfen Mietern auch für Nichtmitglieder  unter der Telefonnummer 040-43139430 an (täglich 9-13 Uhr, Montag bis Donnerstag 14-161 Uhr).

Sein Verein warnt vor den Mieterhöhungen, die vielen Haushalten nun auf Grundlage des Mietenspiegels ins Haus stünden und appelliert an die Mieter, diese nicht ungeprüft zu akzeptieren. „Jede unberechtigte Mieterhöhung benachteiligt nicht nur den unmittelbar betroffenen Mieter, sondern führt auch dazu, dass die überhöhten Mieten die Grundlage des nächsten Mietenspiegels bilden und damit ursächlich für den starken Anstieg der ortsüblichen Miete in Hamburg sind“, so Chychla.

Der Verein Mieter helfen Mietern warnt in diesem Zusammenhang von einer „verhängnisvollen Mietpreisspirale“: Wenn Mieter durch die anstehenden Erhöhungen zum Umziehen gezwungen seien, würden die Neuvermietungspreise noch einmal ansteigen, prognostizierte Geschäftsführerin Sylvia Sonnemann.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

Diskutieren Sie mit uns!

Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, besuchen Sie uns auf unserer Facebook-Seite oder schicken Sie uns einen Leserbrief an redaktion@hinzundkunzt.de.