Kälteeinbruch : Plätze im Winternotprogramm stark gefragt

Andrang zum Start des diesjährigen Winternotprogramms. Foto: Mauricio Bustamante.

Die Auslastung im Winternotprogramm steigt täglich – zwischenzeitlich waren bereits mehr als 75 Prozent der Plätze belegt. Angesichts sinkender Temperaturen fordert Hinz&Kunzt erneut, das Winternotprogramm auch tagsüber zu öffnen.

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Seit einem Monat hat das diesjährige Winternotprogramm geöffnet. Und die Belegungszahlen der Sozialbehörde zeigen: Die Nachfrage an den beiden Notunterkünften für Obdachlose in der Friesenstraße und im Schaarsteinweg ist seit dem Start kontinuierlich gestiegen. Nutzen zu Beginn Anfang November 364 Personen den Erfrierungsschutz der Stadt, waren es zur Mitte des Monats bereits mehr als 650.

In der zweiten Novemberhälfte war das Winternotprogramm nach Hinz&Kunzt-Informationen ebenfalls gut ausgelastet: teils zu mehr als 75 Prozent. Insgesamt stehen 760 Übernachtungsplätze zur Verfügung.

Einen auffälligen Einbruch der Übernachtungszahlen gab es trotz Kälte Anfang dieser Woche in der Friesenstraße: Mehrere Obdachlose aus Rumänien hatten uns berichtet, dass sie vor der Notunterkunft abgewiesen worden waren. Fördern&wohnen-Sprecherin Susanne Schwendtke bestätigte dies auf Nachfrage. An diesem Tag hätten „besonders viele Perspektivberatungsgespräche“ stattgefunden – damit will die Behörde osteuropäische Obdachlose zur Rückkehr in ihr Herkunftsland bewegen. Sie seien „freiwillig obdachlos“.

Sozialbehörde verweigert sich Tagesöffnung

Am Wochenende sollen die Temperaturen weiter sinken, Bodenfrost ist angesagt. Trotzdem werden alle Menschen, die das Winternotprogramm der Stadt nutzen, jeden Morgen um 9.30 Uhr aus dem Warmen wieder hinaus auf die Straße geschickt.

Neue Unterkunft in der Friesenstraße vorgestellt
Winternotprogramm
Neue Unterkunft in der Friesenstraße vorgestellt
Am 1. November startet das Winternotprogramm. Hinz&Kunzt hat die neue Einrichtung in Hammerbrook vorab besichtigt – und ist positiv überrascht. Zwei Kritikpunkte bleiben aber.

Die Sozialbehörde beharrt jedoch, wie in den Vorjahren, darauf, das Winternotprogramm tagsüber zu schließen. Die Unterkünfte müssten gereinigt werden, zudem sollen die Betroffenen Beratungsangebote aufsuchen, heißt es zur Begründung.

Zuletzt hatte die Linke im Oktober einen Antrag auf Tagesöffnung in die Bürgerschaft eingebracht – dieser scheiterte jedoch im Sozialausschuss. Bereits 2015 hatten mehr als 57.000 Menschen eine Online-Petition von Hinz&Kunzt unterzeichnet, die forderte, das Winternotprogramm auch tagsüber zu öffnen – ohne Erfolg. Die Forderung ist angesichts sinkender Temperaturen nun erneut dringlich.

 

Über den Autor
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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