Feiertage 2012 :
Wie Hinz&Künztler Weihnachten verbringen

Gute Nachrichten: Die Welt ist trotz Maya-Vorhersagungen bisher nicht untergegangen. Weihnachten wird also auch dieses Jahr wieder stattfinden. Wir haben einmal bei Hinz&Kunzt-Verkäufern und im Team gefragt, wie sie die Feiertage verbringen und was sie sich wünschen.

Hinz&Künztler Ralle feiert mit Familie, Freunden und Hausmusik. Foto: Simone Deckner

„Wir machen an Weihnachten Hausmusik: Mein Opa spielt Mundharmonika, ich Gitarre“, sagt Hinz&Künztler Ralle. Gesungen wird auch in der Großfamilie. „Ein Mops kam in die Küche und stahl dem Koch ein Ei“, singt Ralle an und lacht, – „nee, auch richtige Weihnachtslieder“. Weihnachten ist für Ralle eine Zeit der Besinnung. Und Familienzeit. Davon hat Ralle reichlich: Sein russischstämmiger Vater hatte zwölf Geschwister, Ralle hat zwei Töchter und 54 Cousins und Cousinen, die sich über die ganze Welt verteilen.

Er lebte drei Jahre in San Francisco, bevor er in Schnelsen eine Heimat und eine Eineinhalbzimmerwohnung fand. Dort trifft er sich an Heiligabend mit polnischen Freunden und der Familie, sie essen Borschtsch, unterhalten sich. Was er sich wünscht? „In erster Linie Gesundheit. Das ist das größte Gut des Menschen.“ Er kommt gerade vom Augenarzt, sein linkes Auge ist rot unterlaufen, ein Problem mit der Hornhaut. „Nichts Dramatisches“, sagt Ralle, bevor er uns frohes Fest wünscht.

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Boris verbringt Heiligabend bei der Feier der Tageseaufenthaltsstätte der Diakonie. Foto: Simone Deckner

Boris wird dieses Weihnachten nicht mit seiner ganzen Familie verbringen. Seine Mutter und eine Schwester leben noch in Spanien. Dort hat der gebürtige Bulgare selbst zehn Jahre gewohnt, bevor er das Land vor zwei Monaten der Krise wegen Richtung Hamburg verließ. Sein Vater ist schon länger in Hamburg, hat hier erneut geheiratet. „Wir sehen uns täglich, auch an Weihnachten. Das ist ja schließlich ein Familienfest“, sagt Boris. Wohnen kann er allerdings nicht bei seinem Vater und dessen neuer Frau. Die beiden haben selbst kaum Platz zum Leben. Erst hat er im WInternotprogramm in der Spaldingstraße geschlafen, nun bei Freunden.

Heiligabend wird Boris zuerst in die Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie in der Bundesstraße gehen. Die Mitarbeiter laden zu einer Feier mit Essen ein. Was sich Boris zu Weihnachten wünscht? „Einen anständigen Job“. Aber dafür fehlt ihm noch die Arbeitsgenehmigung. Er freut sich schon auf den Sommer. Dann wird er wieder nach Spanien oder Bulgarien gehen und an den Stränden des Schwarzen Meeres wie schon in den Jahren zuvor als Lifeguard arbeiten. Boris ist so was wie der bulgarische David Hasselhoff aus „Baywatch“.

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Kucky verkaufte früher Hinz&Kunzt, bevor er einen Job als Hausmeister fand. Foto: Simone Deckner

Kucky, ehemaliger Hinz&Künztler, weiß noch nicht, wo er Heiligabend tagsüber verbringen wird. Eins aber steht fest: „Nachts bin ich im Michel in der Mitternachtsmesse. Das mache ich jedes Jahr.“ Ja, auch Tränen seien bei der Messe schon geflossen, sagt er. „Das rührt mich schon.“

Früher machte Kucky, der eigentlich Bernd heißt, in Hamburg Platte und verkaufte seit 2000 Hinz&Kunzt. Später fand er einen Job als Hausmeister. Seit einigen Jahren hat er jetzt schon seine eigene Wohnung, mitten in Wilhelmsburg. Auf die ist Kucky stolz. Eingerichtet ist sie „nur vom Feinsten“, wie er sagt. Zu Weihnachten wünscht er sich„dass die Welt heile bleibt. Die Leute sollen sich vertragen und keine Kriege führen.“

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So feiert das Team von Hinz&Kunzt Weihnachten

Benjamin, Volontär:
„Ich feiere mit meinen Eltern im Solling in dem kleinen Dorf, wo ich herkomme, Besonders freue ich mich darauf, Freunde wiederzusehen, die ich das ganze Jahr über kaum zu Gesicht bekommen habe.“
Mein Wunsch: „Weltfrieden. Und das alle Leute, unabhängig vom Geldbeutel da wohnen können, wo sie wohnen wollen.“

Frank, Chef vom Dienst:
„Wir sind mit der kleinen Familie zuhause in Hamburg. Mit echter Tanne und unserem traditionellen Auflauf mit Hühnchen, scharfen Nudeln und Auberginen. Erstaunlicherweise besteht unser sonst so trendbewusster 16-jähriger Sohn auf dem immer gleichen Ritual. “
Mein Wunsch: „Das es weiterhin gute Zeitungen gibt, trotz aller Veränderungen und Kürzungen in den Redaktionen.“

Jörg, Vertrieb
„Ich feiere mit meinen Kindern und den Großeltern und gutem Essen. Mit Freunden pokern wir danach traditionell bis spät in die Nacht.“
Mein Wunsch: „Dass der Weltuntergang auch dieses Mal ausbleibt. Das erste Mal hörte ich schon 1979 davon. Bis jetzt ist es immer gut gegangen.“

Dina, Redaktionsassistenz
„In Lettland, wo ich herkomme, wird normalerweise nicht am 24., sondern ab dem 31.12 gefeiert. Dann aber auch neun Tage lang. Aber wir feiern jetzt auch traditionell in großer Runde, dieses Jahr in Berlin.“
Mein Wunsch: „Ich wünsche mir ein ruhigeres Jahr als das vergangene, da war echt zu viel los.“

Dieses Foto von der Tunnel-Platte mit Blick auf den Tannenbaum auf der Binnenalster hat uns Leser Rudolf Kallweit geschickt.

Stephan, Sozialarbeiter
„Seit 20 Jahren gehe ich mit meinen Kindern an Weihnachten in den Wildpark Schwarze Berge. Meine mittlerweile 23-jährige Tochter besteht darauf. Das ist immer sehr besinnlich. Am zweiten Feiertag machen wir immer einen Scheußlichkeiten-Julklapp, wo wir ungeliebte Geschenke tauschen.“
Mein Wunsch: „Ich wünsche mir Gesundheit, auch wenn das altbacken klingt – für meine Familie und mich.“

Ute, Spendenverwaltung:
„Den Tannenbaum darf unter keinen Umständen jemand anderes als der Vater schmücken. Zu essen gibt es bei uns traditionell Forelle. Und um 23 Uhr gehen wir in die Kirche. Unsere beiden erwachsenen Söhne sind da sehr engagiert.“
Mein Wunsch: „Gesundheit und Freude.“

Gabi, Spendenmarketing
„Wir singen amerikanische Christmas Carrolls, weil wir so viele Verwandte in Übersee haben: ,Jingle Bells‘ kann ich am besten. Früher gab es bei uns auch immer Fisch, aber mein Sohn hat irgendwann Wiener Schnitzel durchgesetzt.“
Mein Wunsch: „Der Graben zwischen arm und reich soll nicht noch größer werden. Und dass das Miteinander nicht verschwindet, weil alle immer auf ihre Smartphones gucken. Ich wünsche mir Zeitinseln ohne diese technische Ablenkung.“

Wir wünschen allen unseren Lesern frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

Text + Interviews: Simone Deckner
Fotos: Simone Deckner, Mauricio Bustamante, Rudolf Kallweit

Auch in diesem Jahr bieten viele Kirchengemeinden wieder Gottesdienste für alleinstehende Menschen an.  Einen Überblick über Orte und Zeiten gibt die Tagesaufenthaltsstätte des Diakonie-Zentrums für Wohnungslose.

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