Nachgefragt : Wie die Hitze Obdachlosen zu schaffen macht

Dagmar und Dennis machen zurzeit Platte in der City. Die Hitze bereitet ihnen Probleme. Foto: SIM:

Mehr als 30 Grad in Hamburg. Das ist für jeden eine Belastung. Aber für Obdachlose besonders. Wir wollten von Dagmar (58) und Dennis (24) wissen, wie sie dieser Tage klarkommen. Die beiden Hinz&Künztler sind Mutter und Sohn und machen seit Mitte Mai in der City Platte.

Hinz&Kunzt: Dagmar, das ist Euer erster Sommer draußen. Wie geht es Dir?

Dagmar: Die Hitzewelle ist anstrengend. Morgens habe ich damit zu kämpfen, dass mir manchmal schwarz vor Augen ist. Man hat Angst, dass man hinknallt, wenn man Kreislaufprobleme hat.

Nachts hingegen müsste es ja fast angenehm sein. Da braucht man derzeit nicht einmal einen Schlafsack.

Dagmar: Ja, aber trotzdem müsste man den Schlafsack zumachen. Man hat ja die privaten Sachen drinnen  – und die kann man nicht so herumliegen lassen. Aber das ist viel zu heiß.

Worauf muss man als Obdachlose achten bei der Hitze?

Dagmar: Man müsste viel trinken. Aber das geht auch wieder nicht, weil man als Frau keine Möglichkeit hat, nachts auf Toilette zu gehen. Von der Platte bis zum Bahnhof, das ist viel zu weit – und zu teuer.

„Ich bin viel erschöpfter“

Dennis, wie kommst Du mit den hohen Temperaturen klar?

Dennis: Ich bin viel erschöpfter als sonst. Wenn es kühler ist, dann teilt man sich die Kräfte ein. Bei der Hitze ist das unkontrollierbar.

Krankenmobil appelliert
„Wecken Sie Obdachlose, die in der prallen Sonne eingeschlafen sind“
Die Temperaturen steigen auf mehr als 30 Grad: Schwerstarbeit für den Körper. Obdachlose sind von der Hitze besonders betroffen. Krankenmobil-Leiterin Annette Antkowiak appelliert deshalb an die Hamburger, mit „offenen Augen“ durch die Stadt zu gehen.

Wenn die Hamburger Euch mal eine Wasserflasche brächten, fändet Ihr das gut?

Dagmar: Das wäre nett, und das tun viele schon! Einige kommen sogar mit einem Franzbrötchen, da freuen wir uns immer drüber.

Wenn ihr seht, dass andere Obdachlose einschlafen, macht Ihr dann was?

Dagmar: Gerade wenn wir jemanden kennen, schauen wir: Bewegt sich da noch was? Wir sprechen sie auch an. Und wenn es nur „Guten Abend“ ist oder „Ist alles in Ordnung?“ Neulich haben wir gesehen, dass jemand Nasenbluten hatte …

Dennis:  … das war auf meinem Verkaufsplatz. Da war ein Typ in meinem Alter mit seiner Freundin unterwegs. Der hat durch die Hitze extremes Nasenbluten bekommen. Da haben wir geschaut: Was können wir notdürftig tun? Wir haben ihm Taschentücher gegeben und einen Wickel gemacht für den Nacken. Als es nicht besser wurde, bin ich los und habe Feuchttücher geholt und eine kalte Flasche Wasser.

Vor ein paar Tagen war einer auf dem Bürgersteig total zusammengeklappt. Zwei Polizisten haben ihn angesprochen, aber der hat sich nicht bewegt. Ich weiß nicht, was war, aber es sah aus, hätte er das Wetter nicht vertragen.

Über den Autor
Birgit Müller
Birgit Müller hat 1993 Hinz&Kunzt mitgegründet. Seit 1995 ist sie Chefredakteurin.

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