Randnotizen vom 21.8.2025
Vorurteile im Kopf übermalen: Kinderbuch gegen Antiziganismus

„Unsere Kinder erfahren von früh an Diskriminierung“: Autorin Shlica Weiß. Foto: Imke Lass
„Unsere Kinder erfahren von früh an Diskriminierung“: Autorin Shlica Weiß. Foto: Imke Lass
„Unsere Kinder erfahren von früh an Diskriminierung“: Autorin Shlica Weiß. Foto: Imke Lass

Wieso die Bettelverbote in Dortmund und Düren an mittelalterliche Methoden erinnern und wie eine Autorin mit einem Kinderbuch gegen Antiziganismus kämpft.

Es ist kein neues Phänomen, dass sich die Obrigkeit am Anblick von bettelnden Menschen stört: Schon im Mittelalter erließen Städte wie Nürnberg oder Köln sogenannte „Bettlerordnungen“. Geregelt wurden darin unter anderem Bettelplätze und Sperrbezirke. Und sie stellten „aggressives Almosenheischen und unsittliches Auftreten“ unter Strafe, ist im Mittelalter-Lexikon nachzulesen. Über die Jahrhunderte ließen sich die jeweils Herrschenden immer neue Schikanen für arme Menschen einfallen.

Aus dem deutschen Strafrecht wurde das Bettelverbot 1974 gestrichen. Bis dahin drohten allen 500 Mark Strafe, die selbst bettelten oder ihre Familienmitglieder nicht vom Betteln abhielten. Der Gesetzgeber begründete die Änderung damals damit, dass andere Straftatbestände wie Nötigung ausreichten, um übergriffiges Verhalten beim Betteln zu verbieten. Betteln an sich, so die Ansicht, gefährde keine anderen Rechtsgüter.

In den vergangenen Monaten machen immer mehr Städte diesen juristischen Fortschritt mehr oder weniger rückgängig. Man könnte sogar sagen, sie greifen auf Ideen aus dem Mittelalter zurück. Dortmund und Düren haben etwa jüngst „Sperrbezirke“ wieder eingeführt: Im Umkreis von 5 Metern um Außengastronomie untersagt in Dortmund eine neue Verordnung das Betteln. In Düren gelten Bettelverbote zusätzlich an Haltestellen, Geld- und Fahrkartenautomaten sowie vor Eingängen von Ladengeschäften, Kultureinrichtungen und Hotels. Alle Hintergründe lesen Sie in meiner Meldung.

Ebenfalls seit Jahrhunderten in Deutschland diskriminiert werden Sinti und Roma. Die Hamburger Sozialpädagogin Shlica Weiß beklagt, dass das schon im Kindesalter beginnt. „Unsere Kinder erfahren von früh an Diskriminierung: Beleidigungen auf dem Spielplatz, in der Kita, in der Schule“, berichtet sie. „Häufig werden die Leistungen unserer Kinder nicht anerkannt, sie werden schneller als Problemkinder eingestuft. Diese Erfahrung zieht sich dann durchs ganze Leben.“

Weiß will Vorurteile in den Köpfen „übermalen“ – und hat deswegen ein Kinderbuch geschrieben. Darin spielen Sinti-Kinder die Hauptrolle und anders als in der Realität kommt dort keine Art von Diskriminierung vor. Autorin Deborah Weber hat sich mit ihr getroffen. Ihren Text finden Sie im aktuellen Magazin und auszugsweise weiter unten.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Hinz&Kunzt Randnotizen

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Autor:in
Benjamin Buchholz
Benjamin Buchholz
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD für das Onlinemagazin.