Obdachlosigkeit : Träger für Housing-First-Projekt gefunden

Sozialarbeiter:innen fordern schon lange, Wohnungen nach dem Prinzip "Housing First" zu vergeben – nun startet auch Hamburg damit. Archivbild: BELA

Das erste Housing-First-Projekt in Hamburg wird von drei Trägerorganisationen gemeinsam betreut. Im Juli soll es los gehen. Wenn alles wie geplant läuft, könnten die ersten Obdachlosen zum Jahresende in die eigene Wohnung ziehen.

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Die Würfel sind gefallen: Ein Dreierteam aus Diakonischem Werk Hamburg, Evangelisch-luherischer Kirchenkreis Hamburg-Ost sowie Benno und Inge Behrens-Stiftung wird das erste Housing First-Projekt in Hamburg betreuen. 30 Langzeitobdachlose mit multiplen Problemlagen sollen dadurch eine eigene Wohnung mit unbefristetem Mietvertrag erhalten, ohne dass sie zuvor beweisen müssen, dass sie „wohnfähig“ sind. Ein Drittel der Plätze ist für Frauen vorgesehen.

Die Sozialbehörde finanziert das Vorhaben in den nächsten drei Jahren mit 880.000 Euro. Sie begleitet und evaluiert das Modellprojekt zudem wissenschaftlich. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte: „Unser Ziel ist es, damit weiteren Menschen zu ermöglichen, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen.“ In den USA, Finnland und Österreich wird der Housing-First-Ansatz schon seit Jahren verfolgt – und auch ein Pilot-Projekt in Berlin entwickelt sich erfolgreich.

„Wir wollen einen Paradigmenwechsel einleiten“

„Auch in Hamburg wollen wir jetzt einen Paradigmenwechsel einleiten und den direkten Zugang von Obdachlosen zu eigenem Wohnraum und begleitender Unterstützung fördern“, so Mareike Engels, sozialpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion, „bisherige Hilfsansätze werden so vom Kopf auf die Füße gestellt.“ Das Modelprojekt entstand auf Initiative der rot-grünen Regierungsfraktion.

Startschuss für das Modellprojekt ist der 1. Juli 2022. Die ersten Wohnungen sollen voraussichtlich zum Jahresende vermittelt werden. Die wissenschaftliche Evaluation ist für das zweite Halbjahr 2025 geplant, ein entsprechendes Vergabeverfahren hierfür läuft derzeit noch.

Autor:in
Simone Deckner
Simone Deckner
Simone Deckner ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Kultur, Gesellschaft und Soziales. Seit 2011 arbeitet sie bei Hinz&Kunzt: sowohl online als auch fürs Heft.

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