Vorwürfe gegen Sicherheitsleute : Stießen sie einen Obdachlosen zu Boden?

Ein Fall für die Bundespolizei: Sicherheitsleute sollen am Hauptbahnhof einen Obdachlosen geschubst haben. Foto: Carola Laybourne

Im Hamburger Hauptbahnhof gerieten Sicherheitsleute mit einem Obdachlosen aneinander. Angeblich haben sie denn Mann so sehr geschubst, dass er mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug. Sie selbst bestreiten das. 

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So wie Carola Laybourne es erzählt, wäre es ein Verbrechen. Am vergangenen Donnerstag habe sie zusammen mit weiteren Zeugen beobachtet, wie vier Mitarbeiter des Bahn-Sicherheitsdienstes am Hamburger Hauptbahnhof einen Obdachlosen so sehr geschubst hätten, dass er mit dem Kopf auf dem Boden aufschlug.

„Er hatte die Augen verdreht und war nicht ansprechbar“, schildert sie es Hinz&Kunzt. „Dann guckten sie auf ihn herab und lachten.“ Weil die Sicherheitsleute sich geweigert hätten, einen Krankenwagen zu rufen, hätten die Zeugen das dann selbst getan.

Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet

Ob das alles so passiert ist, ist noch unklar. Die Bundespolizei bestätigt, dass es einen Vorfall gab. Wie er sich genau zugetragen hat, müssten nun die Ermittlungen zeigen, sagt ihr Sprecher Rüdiger Carstens. Dafür leiteten seine Kollegen ein Verfahren wegen des Verdachts der Körperverletzung gegen die Sicherheitsleute ein. „Wir haben diverse Zeugen angeschrieben, damit wir den Fall aufklären können“, sagt Carstens gegenüber Hinz&Kunzt.

Das wird wohl nicht einfach, denn es steht Aussage gegen Aussage. Die Version der Sicherheitsleute ist eine andere als die von Carola Laybourne. Sie hätten den Obdachlosen nicht geschubst, gibt ein Bahn-Sprecher ihre Angaben wieder. Vielmehr habe er sich absichtlich fallen lassen, nachdem sie ihm den Zugang zum Bahnhofsgelände verwehrt hätten. Und einen Krankenwagen hätten sie nicht gerufen, weil Passanten das bereits getan hätten.

Der Obdachlose hatte wohl randaliert

Der Obdachlose soll sich zuvor auf der Damentoilette des Hauptbahnhofs eingeschlossen und dort randaliert haben. Die Sicherheitsleute haben ihn nach Schilderung des Bahn-Sprechers vom Bahnhofsgelände gebracht: „Die Person pöbelte indes lautstark herum und beleidigte dabei sowohl unbeteiligte Passanten als auch die Streifen.“

Später im Krankenhaus sei der 47-Jährige zunächst nicht ansprechbar gewesen, sagt Polizeisprecher Carstens. Das habe aber daran gelegen, dass er „sehr stark alkoholisiert“ gewesen sei. Bei einer ersten Untersuchung seien keine Verletzungen festgestellt worden. Ermittelt werde dennoch, betont Carstens: Schließlich sei auch der Versuch einer Körperverletzung strafbar.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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