Obdachlosigkeit : Startschuss für Housing First in Hamburg

Anfang Juni berät die Hamburgische Bürgerschaft über die Haushaltspläne für 2021 und 2022. Foto: Hamburgische Bürgerschaft/ Michael Zapf

Hamburg bekommt endlich sein erstes „Housing First“-Projekt! Die rot-grüne Koalition will darüber 30 Wohnungen für Obdachlose finanzieren. Die Pension für Wandererarbeiter*innen lässt auf sich warten.

Freitags informieren wir per Mail über die Nachrichten der Woche:

Abmeldung via Link in der Fußzeile der Mails. Infos zum Datenschutz.

Es könnte der Anfang eines Paradigmenwechsels in der Hamburger Wohnungslosenhilfe werden: Erstmals sollen 30 Obdachlose eine Wohnung erhalten, ohne davor beweisen zu müssen, dass sie alleine in den eigenen vier Wänden zurechtkämen. Erst die Wohnung, dann Stabilität im Leben, so lautet der aus den USA stammende Ansatz von „Housing First“. Erste deutsche Kommunen experimentieren inzwischen damit, die Rückmeldungen sind positiv.

In Hamburg hatten SPD und Grüne schon vor mehr als einem Jahr mitten im Bürgerschaftswahlkampf ein Modellprojekt beschlossen. Allerdings ohne die notwendige finanzielle Absicherung, wie Linke und CDU zuletzt kritisierten. Das soll sich jetzt ändern: Per Haushaltsantrag sichert Rotgrün die Finanzierung eines Modellprojekts für 30 Obdachlose. Das auf drei Jahre angelegte Projekt soll Ende des Jahres starten, umsetzen sollen es freie Träger aus der Wohnungslosenhilfe.

„Weltweit hat der Housing-First-Ansatz viel Erfolg in der Obdachlosenarbeit gezeigt“, sagt Mareike Engels (Grüne). „Mit unserem Modellprojekt wollen wir beweisen, dass Housing First auch auf dem engen Wohnungsmarkt in Hamburg erfolgreich umzusetzen ist.“ Deswegen würde auch die Akquise und Evaluierung des Projektes finanziert, so die sozialpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion.

CDU fordert Pension für Wanderarbeiter*innen

Die CDU macht unterdessen Druck auf die Regierungsfraktionen, ein weiteres Wahlversprechen endlich umzusetzen: eine Pension für Wanderarbeiter*innen. „Für diese Zielgruppe fehlt es an günstigen, kurzfristigen Unterkünften für die erste Zeit des Ankommens“, sagt Andreas Grutzeck, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Wir fordern daher den Senat auf, in seiner Funktion als Koordinator zu prüfen, inwieweit die Anmietung oder der Ankauf eines älteren Hotels − bestenfalls nahe des Hamburg Welcome Centers − als Standort für eine Arbeitnehmerpension infrage kommt oder inwiefern sich auch städtische Grundstücke eignen könnten.“

Autor:in
Jonas Füllner
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

Weitere Artikel zum Thema