Kampagne #einfachwohnen : Sozialinvestoren wollen bauen

Dirk Ahrens (Diakonie und #einfachwohnen), Petra Eggert (Schlüsselbund eG) und Reiner Schäfer (Behrens-Stiftung) wollen mit einem symbolischen Spatenstich zeigen: Hier könnte Wohnraum für Menschen in Wohnungsnot entstehen. Foto: Mauricio Bustamante.

Mitten in einer Bahrenfelder Wohngegend liegt ein Grundstück, das dem Bund gehört und seit Jahren nicht genutzt wird. Die Kampagne #einfachwohnen macht darauf aufmerksam. Und nicht nur das: Zusammen mit Sozialinvestoren unterbreitet sie konkrete Vorschläge für die Bebauung des Areals.

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„Unser Wunsch und Angebot an die Stadt: Wir entwickeln mit euch gemeinsam ein Konzept, um dieses Grundstück vom Bund zu kaufen und es für die Stadt Hamburg nutzbar zu machen“, sagt Reiner Schäfer. Er ist Geschäftsführer der Behrens-Stiftung, die Wohnungen für ehemalige Obdachlose baut.

An diesem Freitag ist er daher gemeinsam mit der Genossenschaft Schlüsselbund und der Kampagne #einfachwohnen von Diakonie, Caritas, Mieter helfen Mietern und Stattbau zum symbolischen Spatenstich in die Bahrenfelder Notkestraße gekommen. Ihre Botschaft: So wie diese Fläche gibt es in Hamburg eine ganze Reihe von Grundstücken in Bundesbesitz, auf denen bezahlbare Wohnungen gebaut werden könnten. Und auch soziale Investoren, die das umsetzen wollen: „Dabei denken wir an kleine Grundstücke, auf denen man 20 bis 30 Wohnungen bauen kann“, erklärt Schäfer.

„Rückenwind für den Wohnungsbau“

„Hamburg könnte dieses Gelände günstig vom Bund kaufen und dann zumindest einen Teil davon günstig an unsere Genossenschaft verkaufen oder die Nutzung per Erbpachtvertrag regeln“, sagt Petra Eggert von Schlüsselbund. „Wir könnten dann bis zu 30 Wohnungen für Menschen mit Behinderung oder mit Unterstützungsbedarf bauen.“

Dass Hamburg Grundstücke vom Bund kaufen könnte, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wird seit vergangenem Jahr verstärkt diskutiert. Auch weil Christoph Krupp, Chef der Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima), damals angekündigt hatte, Grundstücke in Bundesbesitz günstig abzugeben. Die Bima ist für Flächen in Bundesbesitz zuständig. Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel hatte Krupps Aussagen als „zusätzlichen Rückenwind für den Wohnungsbau“ bezeichnet.

Auf Nachfrage von Hinz&Kunzt sagt Claas Ricker, Pressesprecher der Finanzbehörde: „Die Stadt ist mit der Bima in Ankaufgesprächen über das Gelände in der Notkestraße. Das Areal soll aber langfristig Teil der Science City Bahrenfeld und dann universitär genutzt werden.“ Mehr zum aktuellen Stand des Ankaufs von Grundstücken, die sich im Besitz des Bundes befinden, konnte die Finanzbehörde bis Redaktionschluss nicht sagen.

#einfachwohnen

Die Zahl der Wohnungsnotfälle ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Das Problem: Es gibt zu wenige günstige Wohnungen für Benachteiligte in Hamburg. Diakonie, Caritas, Mieter helfen Mietern und Stattbau haben sich zum „Hamburger Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik“ zusammengeschlossen und starten gemeinsam die Kampagne #einfachwohnen. In unserer September-Ausgabe haben wir dem Thema einen Schwerpunkt gewidmet. Das Magazin erhalten Sie bei unseren 500 Verkäuferinnen und Verkäufern auf Hamburgs Straßen. Zum Inhalt.
„Dieses Gelände steht für eine Möglichkeit, wo man was tun könnte.“– Rainer Hölzke – Schlüsselbund eG

Für die Mitstreiter der Kampagne ist das Areal in der Notkestraße aber auch ein Symbol: „Dieses Gelände steht für eine Möglichkeit, wo man etwas tun könnte. Das Gelände wird seit Jahren nicht genutzt, gleichzeitig gibt es eine große Wohnungsnot in Hamburg“, sagt Rainer Hölzke von Schlüsselbund.

In den vergangenen Jahren sind in Hamburg kaum Wohnungen für vordringlich Wohnungssuchende entstanden. Also für die etwa 12.000 Menschen, die nicht in der Lage sind, alleine eine Wohnung zu finden und denen deshalb mit Hilfe eines Dringlichkeitsscheines eine Wohnung zugewiesen werden soll. Die Scheine stellt das jeweilige Bezirksamt aus.

Mit Blick auf diese Situation sagt Diakoniechef und #einfachwohnen-Sprecher Dirk Ahrens: „Die Stadt kann deutlich mehr Wohnraum für Menschen in Wohnungsnot schaffen, wenn sie bei der Vergabe von Grundstücken Genossenschaften und Stiftungen, die für diese Zielgruppe bauen, stärker in den Blick nimmt.“

Über den Autor
Lukas Gilbert
Lukas Gilbert
Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig. Seit September 2019 Volontär in der Hinz&Kunzt-Redaktion.

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