Fotowettbewerb : Schüler porträtieren Reichtum

Was ist Reichtum? Wie sieht er aus? Für einen Fotowettbewerb haben Hamburgs Schüler Bilder gemacht, die viel von ihrem Leben und ihrer Sicht auf die Welt erzählen. Die Ergebnisse sind noch bis zum 22. Februar im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen.

Hamburg ist eine der reichsten Städte Europa: Hier leben mehr als 40.000 Vermögensmillionäre und die viel zitierte Schere zwischen Arm und Reich ist an viele Stellen in der Stadt sichtbar. Eine gute Idee daher, Hamburger Schüler ab der siebten Klasse aufzurufen, ihre Sicht auf die Verlockungen wie Schattenseiten des Reichtums fotografisch darzustellen, aber auch ganz subjektive Facetten des Begriffs auszuloten. Titel des Wettbewerbes: „Reichtum.Sucht.Motiv“.

Das Ergebnis? Ausgewählt werden mussten aus einer Fülle von 277 Einsendungen 50 Beiträge, die nun in einer eigenen Ausstellung im MKG präsentiert werden. Dabei war die Bandbreite allein formal enorm. Sorgfältig arrangierte Collagen fanden sich neben Schnappschüssen; spontane Einfälle mussten neben ernsten, manchmal philosophisch grundierten Aussagen bestehen. Oft wurde das eigene Zuhause zum Studio umgebaut. Geschwister und Freunde stellten sich als Models zur Verfügung; die Oma, die Nachbarn mussten einspringen – und taten es offenbar gern.

Jurymitglied Manuela van Rossem, im MKG für die Kunstvermittlung zuständig, schaut zufrieden auf die Ausbeute: „Wenn ich die Bilderwelt der Schüler betrachte, sehe ich:  Die jungen Leute sind durch die neuen Medien sehr gut informiert – und sie diskutieren ihre Themen auch aus und sie sind keinesfalls oberflächlich.“

reichtum aufi
„Reichtum st hoch angesehen. Doch was bleibt am Ende von ihm übrig? Wenn man alles verliert, wenn man stirbt? Ich habe eine Freundin in einen ganz dunklen Raum gesetzt, die Kamera auf eine Belichtungszeit von zehn Sekunden gestellt. Ich habe sie mit einer Taschenlampe abge- leuchtet, sie ist weggegangen, dann habe ich den Koffer abgeleuchtet. Das Tolle bei dieser Art zu fotografieren: Man weiß am Anfang nicht, wie das Foto am Ende aussieht. Man muss viel experimentieren, muss vieles ausprobieren. Bis man am Ende dieses schöne, mystische Bild erhält.“ Foto: Laureen Thews, Carl-von-Ossietzky-Gymnasium.

Nachdenklich zurück bleibt Cläre Bordes, Lehrerin und an der Stadtteilschule Stellingen für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie hat maßgeblich den Wettbewerb organisiert. Sachlich konstatiert sie: „Es haben sich Schüler und Schülerinnen aus 17 Stadtteilschulen und 21 Gymnasien beworben, aber nur drei Stadtteilschulen im Gegensatz zu 14 Gymnasien haben es in die Ausstellung geschafft.“ Sie sieht dafür zwei Gründe: „Das Thema war für Stadtteilschüler schwierig. Sie wussten oft gar nicht: Was ist denn nun reich? Wo fängt das an, wo hört das auf ?“ Außerdem hätten Stadtteilschüler oft nicht das notwendige technische Equipment, um mitzuhalten: „Wenn die Schule keine guten Kameras ausleihen kann, können gute Ideen nicht so überzeugend umgesetzt werden und fallen dann bei einem Wettbewerb schnell heraus.“

Stadtteilschülerin Alfia Mubarik, eine der Gewinnerinnen der drei Hauptpreise, berichtet, wie wichtig Unterstützung ist: „Meine Tante hat mir ihre HD- Kamera geliehen. Und sie wohnt in einem schönen Haus. Da dachte ich: Das nutze ich mal, um etwas Gutes daraus zu machen.“

„Reichtum.Sucht.Motiv“, Museum für Kunst und Gewerbe, Design Lounge, Steintorplatz, zu sehen bis 22.2.; Öffnungszeiten: Di–So, 10–18 Uhr, Do, 10–21 Uhr, Eintritt: 10/7 Euro, Jugendliche bis 17 Jahre frei. „Reichtum.Sucht.Motiv“ wird noch einmal vom 18. bis zum 23. Mai im Alstertal-Einkaufszentrum, Heegbarg 31, gezeigt.

 


  • „Reichtum hat zwei Seiten, so wie bei Dr. Jekyll und Mister Hyde: Du kannst alles machen, was du willst; du hast jede Menge Spaß. Aber plötzlich gibt es da diese Schattenseiten, das Dunkle, das Finstere. So wie man das immer wieder bei reichen Models hört: Sie sind erfolgreich und dann nehmen sie Drogen, wenn sie traurig sind. Die zwei Seiten – das Thema beschäftigt mich schon immer.“
    Foto: Kayo Kuchta, 12 Jahre, Matthias-Claudius-Gymnasium
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  • „Mir ist aufgefallen, wie die Kinder sich heutzutage bei Familientreffen verhalten. Nach fünf Minuten schnappen sie sich einen Laptop oder ein Smartphone! Der Reichtum, der in einer Familie liegt, in den Gesprächen, wird ersetzt durch den Reichtum an technischen Geräten, sozusagen. Mir geht das selbst auch so. Warum das so ist? Gute Frage!“
    Foto: Alfia Mubarik, 16 Jahre, Stadtteilschule Stellingen
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  • „Wir alle haben nur Geld im Kopf, egal, was wir machen – das wollte ich etwas übertrieben mit einer Straßenszene darstellen. Auf die Idee kam ich, weil bei mir in meinem Zimmer so ein Glaskopf steht. Den habe ich fotografiert und dann in eine Straßenszene montiert. Mir macht Kunst total Spaß, man kann auf eigene Art darstellen, was einen bewegt. Wenn wir nächstes Jahr unsere Schulprofile wählen, nehme ich auf jeden Fall Kunst und Ästhetik.“
    Foto: Stella Wein, 15 Jahre, Gymnasium Blankenese
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  • „Ich wollte darstellen, dass die reichen Menschen so viel besitzen, dass ihnen ihr Geld sogar aus dem Kopf wächst. Dazu hatte ich das Bild der Medusa vor Augen, mit ihrem Schlangenkopf, bei deren Anblick der Mensch sofort versteinert. Fotografiert habe ich meine Schwester – die hat so tolle blonde Haare, die sie auch noch lockig gemacht hat.“
    Foto: Anneke Weygandt, 17 Jahre, Charlotte-Paulsen-Gymnasium
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  • „Man denkt immer, Reichtum an sich ist ja schön. Aber wer reich ist, muss sich auch an viele Regeln halten und hat nicht immer so viel Spaß im Leben – anders als Kinder, die aus ganz normalen Familien kommen. Entstanden ist das Foto bei einem Fotokurs im Museum für Kunst und Gewerbe. Kunst ist auf jeden Fall mein Lieblingsfach.“ Foto: Dana Reins, 13 Jahre, Stadtteilschule Stellingen..

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