Kältetod : Obdachloser vermutlich erfroren

Den ersten amtlich bestätigten Kältetoten des Winters hat offenbar die Stadt Suhl in Thüringen zu beklagen. Dort ist ein Obdachloser vermutlich erfroren. In weiteren Fällen herrscht Unklarheit über die Todesursache.

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Ein Anwohner entdeckte ihn wenige Tage vor Weihnachten: Leblos lag er am Ufer des Rimbaches, der den Garten eines weitläufigen Grundstücks in Suhl durchschneidet. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des 50-Jährigen feststellen. „Der jetzige Stand deutet darauf hin, dass der Mann an Unterkühlung gestorben ist“, sagt eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion Suhl auf Nachfrage von Hinz&Kunzt. Zum mutmaßlichen Todeszeitpunkt herrschten in der thüringischen Kleinstadt Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Obduktion sei aber noch nicht abgeschlossen, so die Sprecherin. Ergebnisse feingeweblicher Untersuchungen sollen „in vier bis zwölf Wochen“ vorliegen. „Erst dann kann das sicher gesagt werden.“

Der aus Thüringen stammende Mann wäre der erste amtlich bestätigte obdachlose Kältetote dieses Winters in Deutschland. Er gehört den zu zehn Verdachtsfällen, denen die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) derzeit nachforscht. Vergangenen Winter erfroren bundesweit mindestens drei Obdachlose, weitere fünf Fälle ließen sich nicht klären, „weil es keine Obduktion gab oder die Todesursache unklar war“, so Benjamin Giffhorn von der BAG W.

Weitere Todesfälle in Hamburg und Düsseldorf

In Hamburg sind diesen Winter bislang zwei Obdachlose auf der Straße gestorben. Der eine starb laut Staatsanwaltschaft an „Organversagen“, bei dem anderen machten die Behörden Alkoholmissbrauch für seinen Tod verantwortlich und verzichteten auf eine Obduktion.

Eine Verkäuferin des Düsseldorfer Straßenmagazins „fiftyfifty“ ist entgegen verschiedener Medienberichte „nicht erfroren“, so ein Sprecher der Polizei auf Nachfrage. Weshalb die 48-Jährige gestorben ist, könne er trotz Obduktion allerdings nicht sagen: „Das wissen wir nicht.“ Die Frau war kurz nach Weihnachten mitten in der Stadt auf offener Straße gestorben – weil sie im Gästebuch einer Kirche Tagebuch geschrieben hat, erregte ihr Tod große Anteilnahme.

Viele Kältetode in Süd- und Osteuropa

Im Osten und Süden Europas sind diesen Winter bereits mehr als 100 Menschen erfroren, vor allem Obdachlose und Flüchtlinge.

Seit 1991 sind laut BAG W mindestens 289 Obdachlose in Deutschland an Unterkühlung gestorben. Tatsächlich dürfte die Zahl deutlich größer sein, da die BAG W nur solchen Fällen nachgeht, die von Polizei und Medien öffentlich gemacht werden.

Über den Autor
Ulrich Jonas
Freier Journalist und Hinz&Kunzt-Autor aus Leidenschaft, schreibt seit vielen Jahren über Armutslöhne, Ausbeuter und Ideen für eine solidarische Gesellschaft.

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