Obdachloser verstorben : Das Schanzenviertel trauert um Claudio

Blumen und Kerzen erinnern an Claudio. Foto: JOF

Erst Lucas, jetzt Claudio: Mit nur 44 Jahren ist ein Obdachloser auf seinem Schlafplatz am Schanzenpark gestorben. Die Anteilname im Viertel ist groß.

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Schon wieder ist in Hamburg ein junger Obdachloser gestorben, der in seinem Viertel bei vielen bekannt und beliebt war: Claudio alias „Michael Jackson“ starb in der vergangenen Woche mit nur 44 Jahren am Schanzenpark. „Claudio gehörte zum Schanzenviertel wie die Rote Flora“, schreibt uns ein Leser über ihn. Am S-Bahnhof Sternschanze haben Anwohner:innen eine Gedenkstätte mit Kerzen und Blumen errichtet.

Im Viertel haben sich viele um den Obdachlosen gekümmert und ihn mit Verpflegung und Kleidung versorgt. Auf Twitter schreibt jemand über Claudio: „Immer auf Sendung, nie aggressiv. Im großen Herz ein kleiner Junge. Er wird vielen fehlen.“ Auch unser Leser beschreibt ihn als einen rundum sympathischen Menschen: „Er war immer freundlich zu allen, sensibel, immer wieder blitzverliebt in Verkäuferinnen und Barkeeperinnen der Läden im Viertel. Er suchte dann sein letztes Geld zusammen und schenkte ihnen Blumen.“

Den Spitznamen Michael Jackson hatte Claudio seinen Tanzkünsten zu verdanken: Er beherrschte den Moonwalk des Popsängers, wie auch ein Video auf Youtube mit dem Titel „Dancing King of Sternschanze“ zeigt. „Er genoss die Aufmerksamkeit, aber er wollte vor allem die Menschen zum Lachen bringen“, schreibt unser Leser weiter. „Wenn sich im Viertel eine Menschenansammlung bildete, sei es um einer Band, die auf der Piazza spielte, zu lauschen oder bei einer Demo, stand Claudio davor und hat für alle getanzt.“ 

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Woran Claudio gestorben ist, ist noch unklar. Die Staatsanwaltschaft will die Todesursache nun klären und hat eine Obduktion veranlasst, wie sie auf Hinz&Kunzt-Nachfrage mitteilt. Erst vor Kurzem war in Altona-Altstadt der erst 30-Jährige Lucas gestorben.

Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer reagiert betroffen auf die Nachricht von Claudios Tod und bemängelt, dass es kaum Reaktionen darauf gibt. „Haben wir uns daran gewöhnt, dass Wohnungslose so jung auf Hamburgs Straßen sterben?“, fragt er. „Wo bleibt der Aufschrei? Wir dürfen nicht zulassen, dass das Sterben auf der Straße als Normalität angesehen wird!“

Autor:in
Benjamin Laufer
Benjamin Laufer
Seit 2012 bei Hinz&Kunzt. Redakteur und CvD Digitales.

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