Offener Brief : Obdachlosenhelfer fordern ganztägiges Winternotprogamm

Obdachlose warten im November 2017 auf die Eröffnung der Notunterkunft in der Friesenstraße. Foto: Mauricio Bustamante

Der Hamburger Senat soll Obdachlose im Winternotprogramm auch tagsüber vor Kälte schützen, fordern Mitarbeiter und Initiativen der Wohnunglslosenhilfe in einem offenen Brief. Die Sozialbehörde winkt ab.

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Das Winternotprogramm für Obdachlose soll in diesem Jahr auch tagsüber geöffnet werden – und nicht wie bislang üblich frühmorgens seine Türen schließen. Das fordern zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen aus der Wohnungslosenhenhilfe in einem offenen Brief von Bürgermeister Peter Tschentscher, Sozialsenatorin Melanie Leonhardt (beide SPD) und den Mitgliedern von Senat und Bürgerschaft.

Den Unterzeichnern sei bekannt, dass das Winternotprogramm als „nächtlicher Erfrierungsschutz“ angelegt sei, heißt es in dem offenen Brief. „Jedoch weisen wir darauf hin, dass es für Unterkühlung und/ oder Erfrierungen ausreicht, sich den Tag über bei winterlichen Temperaturen und nasskaltem Wetter draußen und damit ungeschützt aufzuhalten.“ Die Tage auf der Straße oder auf dem Weg von einer Tagesaufenthaltsstätte zur nächsten zu verbringen, zehre „an den ohnehin nicht selten schwachen Reserven“ der Obdachlosen.

Unterschrieben haben den Brief Organisationen wie die Hamburger Tafel, der Verein Antikältehilfe und die Aufenthaltsstätte Alimaus sowie zahlreiche Mediziner, die ehrenamtlich obdachlose Patienten versorgen.

Sogar 100.000 Petitionsunterzeichner beeindruckten den Senat nicht

Die Helfer haben den offenen Brief ausdrücklich in Anlehnung an die Onlinepetition geschrieben, die Hinz&Künztler Jörg Petersen im vergangenen Jahr gemeinsam mit Hinz&Kunzt gestartet hatte. Mehr als 100.000 Menschen hatten sich der Forderung an den Bürgermeister angeschlossen, das Winternotprogramm ganztägig und für alle Obdachlosen zu öffnen. Ohne Erfolg: Ein Senatssprecher antwortete damals, dass sich an der bisherigen Praxis nichts ändern werde.

Winternotprogramm in Lokstedt geplant
Bezirk Eimsbüttel
Winternotprogramm in Lokstedt geplant

Der Senat macht den Unterzeichnern des offenen Briefs auch jetzt wenig Hoffnung: Die Unterkünfte des Winternotprogramms sollen auch im kommenden Winter von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geschlossen bleiben, hieß es auf Anfrage von Hinz&Kunzt aus der Sozialbehörde. Lediglich witterungsbedingt könnten Ausnahmen gemacht werden. Zu offenen Briefen nehme der Senat außerdem grundsätzlich keine Stellung.

Das Winternotprogramm beginnt jedes Jahr Anfang November und bleibt bis April geöffnet. Neben der Unterkunft in der Friesenstraße in Hammerbrook will die Sozialbehörde diesem Jahr eine Containersiedlung in der Kollaustraße in Lokstedt, die bislang als Flüchtlingsunterkunft diente, als Notunterkunft für Obdachlose nutzen.

Über den Autor
Benjamin Laufer
Schreiben, was schief läuft, damit es sich ändert: Benjamin Laufer arbeitet als Journalist in Hamburg hauptsächlich zu Sozial- und Innenpolitik.

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