Schülerstudie : Mietpreise auf Rekordhoch

2015 führte der Bund das sogenannte Bestellerprinzip ein. Seit dem zahlt der Vermieter den Makler und deutlich weniger Wohnungen werden inzwischen in Zeitungen oder dem Internet an­non­cie­rt. Foto: Actionpress/ Pool 367

In ganz Hamburg ziehen die Mietpreise weiter an. Das geht aus einer Analyse aktueller Wohnungsanzeigen durch Schüler des Gymnasiums Ohmoor hervor. Demnach liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis inzwischen bei 13,24 Euro netto kalt.

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Im Vergleich zum Vorjahr zogen die Preise bei den Wohnungsanzeigen in Hamburg um weitere 4,4 Prozent an. „Ein Grund für den massiven Anstieg könnte sein, dass deutlich weniger Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt landen“, sagt Carl-Jürgen Bautsch vom Gymnasium Ohmoor.

In diesem Frühjahr hatte der Lehrer im Rahmen des Geographieunterrichts mit 26 Schülerinnen und Schüler erneut den freien Mietwohnungsmarkt analysiert und das Ergebnis jetzt gemeinsam mit dem Mieterverein zu Hamburg präsentiert. Dabei mussten sie feststellen: Bei dem Immoblienportal Immonet wurden im Zeitraum Januar bis März stets nur etwa 1100 Wohnungen überhaupt angeboten. Statt mehr als 2000 wie in den vergangenen Jahren.

Wenig überraschend zählen Uhlenhorst, Harvestehude und die HafenCity weiterhin zu den teuersten Quartieren. Aber auch in ehemals ärmeren Stadtteile wie Altona und St. Pauli sind Quadratmeterpreise von etwa 17 Euro bei der Wohnungssuche längst die Regel. Dort werden Wohnungen angeboten, die teurer sind als beispielsweise in Winterhude oder auch Hohenfelde.

Eklatanter Mangel an günstigen Wohnungen

Eine weitere Studie der Böckler-Stiftung bescheinigt Hamburg darüber hinaus einen eklatanten Mangel an günstigen Wohnungen. Den Negativrekord hält noch Berlin. Dort fehlen 310.000 Wohnungen. Hamburg folgt mit immerhin 150.000 Wohneinheiten.

Für die Untersuchung wurden die Daten des Mikrozensus aus dem Jahr 2014 für 77 Großstädte in Deutschland ausgewertet. Demnach gibt jeder fünfte Hamburger Haushalt mehr als 40 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete aus.

Sozialwissenschaftlern wie auch Immobilienexperten halten eine Quote oberhalb der 30-Prozent-Marke des Haushaltseinkommens für problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung zur Verfügung bleibt.

Bei nicht eingeplanten und zusätzlichen Kosten könnte dies zur Zahlungsunfähigkeit und im Endeffekt zum Wohnungsverlust führen. Erschreckend: Insgesamt liegt die Belastung der Haushalte in Hamburg bereits bei durchschnittlich 28,6 Prozent.

Über den Autor
Jonas Füllner
Studium der Germanistik und Sozialwissenschaft an der Universität Hamburg. Seit 2013 bei Hinz&Kunzt - erst als Volontär und inzwischen als angestellter Redakteur.

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